Wacken Open Air 2007

Die größte Runde W:O:A ging dieses Jahr vom 2. – 4. August mit 60.000 zahlenden Besuchern und weit mehr als 60 Bands übers Land. Das 18te Wacken für die Menschheit, das achte Wacken für die Autorinnen und das erste Mal für den Metalminder, wird auch noch für lange Zeit in Erinnerung bleiben. Das Line-Up wie jedes Jahr wieder gigantisch, das Verhältnis zwischen Eintrittspreis und Leistung elegant gut ausbalanciert, gibt es nach wie vor nichts Vergleichbares auf dem Erdball vorzufinden. Mit vorhergegangenem enormem Aufwand, wurden Punkte wie Geländebearbeitung, Beseitigung / Ausbesserung des naturkatastrophalen bitteren Beigeschmacks sowie weitere organisatorische Dinge gut gemeistert und die Tore konnten geöffnet werden.

DONNERSTAG

Sodom

Sodom stehen für erstklassigen Thrash Metal der Superlative. Die Combo aus dem Ruhrpott feiert nächstes Jahr 25 jähriges Bestehen, wenn das mal kein Grund zum feiern ist. Losgeknüppelt wurde mit „Blood On Your Lips“ am Donnerstagabend auf der Black Stage. Weitere Klassiker wie „Blasphemer“, „Wachturm“ und „Sodomy And Lust“ folgten auf dem Fuße. Untermalt wurde der Auftritt von zahlreichen illustren Gästen, es waren fast alle Ex –Sodom Mitglieder vertreten, zum Beispiel Gitarrist Grave Violator, Andy Brings und Drummer Atomic Steiff, was für die Fans eine sichtliche Bereicherung darstellte, da es haufenweise bangende Häupter zu bewundern gab.

Mit „Ausgebombt“, „The Saw Is The Law“ und “Outbreak Of Evil” neigte sich die fast zweistündige Thrash Attacke dem Ende. Als krönendes Schmankerl gab es dann noch den „Bombenhagel“ auf die Wiese, und eine ausgepowerte Fanschar schwebte glückselig von dannen. Hier wurde definitiv klargestellt das Sodom noch längst nicht auf die Ersatzbank gehören.

Mambo Kurt

Vor gar nicht allzu langer Zeit war das Metal Volk einzig und allein der harten Klänge wegen auf das Wacken Open Air gepilgert. Bis plötzlich ein Herr namens Mambo Kurt die Heerscharen um sich sammelte, und zu begeistern verstand. Mittlerweile ist Mambo nicht mehr wegzudenken. Mit seinen durchaus eigenwilligen Interpretationen gehört er fest zum Bestandteil eines jeden Wacken Open Airs. Da gab es gnadenlos sämtliche Schlager, Pop und Rock Klassiker im Heimorgelgewand auf die Metall verwöhnten Lauscher. Längst vergessene Hits wie „I Just Call To Say I Love You“ von Stevie Wonder, “Sunshine Reggae” oder “Jump” vom Van Halen wurden frenetisch abgefeiert. Von der Polonaise bis zum Moshpit war alles geboten. Und wenn Mambo dann auch noch Iron Maiden, ACDC und Slayer zum Besten gab, steppte wahrhaftig der Teufel. Die Heimorgel hat durch Mambo Kurt ein feines Comeback hingelegt, und wird bestimmt auch im nächsten Jahr für ausgelassene Stimmung sorgen. Ob dann auch mit Paartanz, sei allerdings dahingestellt.

Saxon

Nach den schon erwähnten Wacken Kultis Mambo & Sodom nun ein weiterer Streich Festival Tradition. Die Briten von Saxon gewohnt routiniert auf den Bühnen dieses Dorfes, jedes Mal eine spannend und fordernd erwartete Attraktion, feuerten Power und Hits vom Podest. Auch wenn die Stimmung im Allgemeinen schon einen Funken erschöpft schien, konnten Saxon das Publikum trotzdem auf ihre Seite ziehen und mit „Heavy Metal Thunder“, „To Hell And Back Again“, „If I Was You“ oder dem durch Freund Tobias Sammet bereicherten Titel „747 (Strangers In The Night)“ durchaus erneut überzeugen. Solch erprobte Alteisen kann einfach nichts erschüttern.

FREITAG

Neuer Tag, neues Glück! Fast schon irritiert über das unerwartet gute Wetter, für Metalminder Begriffe das Beste seit 2000. Nicht zu heiß, dennoch angenehm warm, Sonnenschein und ein leichtes Lüftchen. Was braucht ein Metalfan mehr? Früh aus den Federn erwacht und sofort bereit für Abenteuer, läutete die Stunde des Metal ein zweites Mal zum Tanz.

Napalm Death

Da es vor der True Metal Stage zu einem kleinen Strohfeuer kam, wurde die Show der englischen Grindcore Legende um ca. zwanzig Minuten vorverlegt. Nichts desto trotz versammelten sich haufenweise Fans vor der Black Stage um einen musikalischen Rundumschlag zu erleben. Das Set beinhaltete sämtliche Klassiker, angefangen mit „Sink Fast Let Go“ von ihrem derzeitigen Output „Smear Campaign“ bis hin zum Kultsong schlechthin „Nazi Punks Fuck Off“. Sänger Barney brüllte sich die Seele aus dem Leib und nutzte zudem die Zeit zwischen den Songs, um seiner politisch glasklaren Stellung Nachdruck zu verleihen.

Mit konsequent linkspolitischer Haltung und gegen jede Art christlicher Moralisierung bekundeten Napalm Death lautstark ihre Einstellung. Ein ziemlich harter Brocken für die doch noch recht frühe Uhrzeit. Dennoch gab es reichlich moshende Häupter vor der Stage zu bewundern. Napalm Death zeigten mit Power und astreinen Riffs, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und lieferten eine energische Show ab.

Amorphis

Aufgrund der Verschiebungen im Spielplan, hatten Amorphis dann eine gute Stunde später als geplant endlich ihre 45 Minuten zugeteilt bekommen. Viele Fans waren schon zeitig anwesend, denn man weiß ja nie so genau, ob das ganze Rumgeschiebe auch tatsächlich hinhaut. Vorsicht ist besser als Nachsicht und es wurde pünktlich um 13.10 Uhr finnisch gerockt. Die Dreadlocks wurden geschüttelt und flogen nur so über die Bühne, die Gitarren zum Dröhnen und Summen gebracht, die Stimmung war super.

Einzig der böige Wind sorgte für akustische Soundausstoßungen und Lautstärkeabstufungen. Hier und da schon ein wenig ärgerlich, aber die Finnen selbst boten atemberaubende Minuten voller Spielfreude und Kraft. Die Setlist beinhaltete unter anderem „House Of Sleep“, „Black Winter Day“, „Alone“ und „The Smoke“. Letzterer zu diesem Zeitpunkt besonders passend, konnten sich die Finnen wieder einmal erfolgreich auf die Schultern klopfen lassen, ihre Darbietung feinsten eigenständigen Death Metals in der bisherigen Running Order ein zielsicherer Treffer. Beim nächsten Auftritt würde ich mir eine dunklere Stunde wünschen und auch die Strohfeuerspielchen könnten nächstes Mal entfallen.

Therion

Auch die Schweden und Opern Metaller von Therion durften gute 40 Minuten zeitversetzt den Startschuss in die Lüfte abgeben. Mit jedem Album scheinen sich die Virtuosen selbst zu übertreffen, die Messlatte für Live Auftritte und deren Umsetzung liegt daher wohl besonders hoch. Leicht fragwürdig, ob die gute Mittagszeit von 14.30 Uhr die optimale Position für so schwerfällige, komplexe Strukturen ist, empfand ich die hier abgelieferte Show akustisch wie auch optisch ganz ehrlich nicht sonderlich berauschend.

Zwar gab es keinen Mangel an Hits nach dem inzwischen so geübten Schema wie etwa „To Mega Therion“. Aber das war so gar nicht meine Sache diesmal. Da lobe ich mir dann doch kleine, schwitzige Club Gigs, die einem den Sound nur so durch die Ohren fegen.

Turbonegro

Bereits bei Bekanntgabe dieser Band im Wacken Club 2007 war ich gespannt und erfreut zugleich. Zum einen eine doch eher untypische W:O:A Band, musikalisch eher bodenständigen Rock vertretend denn metallen, und darüber hinaus noch nie zuvor Live gesehen, trieb die Neugier vor die Black Stage. Von der Seite die ersten Anzeichen bald rötlich werdenden Sonnenscheins, stampften sich die Norweger geradewegs durch die vielzähligen Zuschauer und boten ganz wie ich es erwartet hatte, eine eindrucksvoll impulsive Show.

Geprägt von satten Sounds und berühmt berüchtigten Krachern wie zum Beispiel „Do You Do You Dig Destruction“, „All My Friends Are Dead“, oder „Sailor Man“. Sänger und Hauptmatrose Hank Von Helvete sichtlich kommunikativ, hatte reichlich offenes Ohr für Fangetöse und hielt jeweils passende Kurzansprachen. Super Show, bereichert zwischen all den teils derben Metalklängen wirklich ungemein und rundet ab. Takk Turbonegro!

Sturm und Drang (Pressezelt)

Schnellen Fußes von den vorvorletzten Tönen Turbonegros ab ins Pressezelt. Kleine wilde Finnenjungs gaben dort ihre erste exklusive Deutschland Performance zum Besten, das galt es auf jeden Fall zu begutachten. Der Ruf eilte den Nordlichtern wieder einmal voraus und auch der Metalminder hatte während seiner Finnlandaufenthalte 2007 schon so einiges gehört und gesehen.

Beeinflusst von alten Eisen a la Judas Priest und Iron Maiden, griff man im Wackener Presstent zu Gitarre und Bass, positionierte sich an Keyboard und Drums, um den neugierigen Besuchern aus der Medienwelt den Gehörgang freizulegen. Gekonnt professionell, wenn doch etwas scheu, präsentierte der flotte Fünfer Songauszüge seines viel versprechenden Debütalbums „Learning To Rock“. Das es da gar nicht mehr so viel zu lernen gibt, stand nach Ablauf der Show nur noch als Beilage parat, denn wurden die fröhlich und begeistert dreinblickenden Menschen hier wohl vollends überzeugt.

Das nächste große Ding aus Suomi und nächstes Jahr hoffentlich für die Allgemeinheit freigegeben. Für Interessenten wäre vorab die im Oktober stattfindende Tour mit Apocalyptica ein Pflichttermin.

Blind Guardian

Die deutschen Metal Urgesteine aus Krefeld, Blind Guardian, bezogen gegen 21 Uhr Position auf der True Metal Stage. Beste Uhrzeit und ein rappelvoller Acker ließen große Erwartungen an einen der Headliner aufkeimen. Inhaltlich gestalten Blind Guardian ihre Texte häufig mit Themen aus der Fantasy Literatur, besonders Tolkiens epochaler Meilenstein „Herr Der Ringe“ wird dabei gern involviert. Charakteristisch sind außerdem die komplexen Arrangements und Spieltechniken, sowie Orchester Parts.

Mit ihren sage und schreibe 20 Jahren Bühnenerfahrung konnten die Mannen um Hansi Kürsch auf ein ordentliches Repertoire zurückgreifen. Und das taten sie auch! Das Festival Areal war zum bersten gefüllt, als mit „Into The Storm“ losgelegt wurde, was den meisten Fans offenbar gut gefiel. Weitere Kompositionen wie „Nightfall“, „Straight Through The Mirror“ und „Valhalla“ wurden begeistert vom Publikum aufgenommen. Blind Guardian zelebrierten mit Feuerwerk und allem möglichem Brimborium eine gekonnt inszenierte Show, welche überwiegend großen Anklang fand. Die Stimmung griff vor allem bei „The Bard`s Song“ komplett über, und ließ tosenden Applaus zu. Blind Guardian präsentierten sich `At It`s Best` und hinterließen eine zufriedene Gemeinde.

Dimmu Borgir

Immer noch vorbelastet und eingeschüchtert durch das Krümelmonster Shirt von Bassist Vortex auf dem Sauna Open Air, traute ich mich bei der Norweger Dynastie Dimmu Borgir nur in angemessener Sicherheitsentfernung die weitere Begutachtung durchzuführen. Wie üblich, hatten die Jungs das Einheitsoutfit übergestülpt, Plauze hin oder her, mit dieser ledrigen Klamotte geht so einiges zu verstecken, und vor allem die schon fast aberwitzigen und wahrlich bösen Nieten-Stulpen funkelten erheblich.

Mit dem aktuellen Album „In Sorte Diaboli“ haben es die Norweger ein weiteres Mal geschafft, ihr eigenes kreatives Ding fortzuführen und erfolgreich an diverse Vorgänger anzuknüpfen, ganz ohne spürbaren Wiederholungseffekt. Nach etlichen regelrechten Kultalben und Songs stehen Dimmu Borgir ganz vorne auf der Liste in die Geschichte eingehender und vorbildlicher Bands im Schwermetall. Harmonie und Schwere großgeschrieben, gelingt es ihnen, den Black Metal Charakter anzunehmen, ohne dabei Aufrichtigkeit und Authentizität einzubüßen oder gar lächerlich zu erscheinen.

Woran in dieser Sparte viele scheitern, scheint den Skandinaviern nur allzu leicht aus der Feder zu fallen und auch die Live Show des 2007er Wacken Open Airs reiht sich in diese Auflistung problemlos ein. „In Sorte Diaboli (The Serpentine Offering)“, „Cataclysm Children“, Progenies Of The Great Apokalypse“ und zum Ende wie gehabt das, auch nach all den Jahren wieder, großartige „Mourning Palace“! Ein zugegeben nicht unbedingt innovativer Auftritt, eher eindrucksvoll schlicht und bombastisch inszeniert.

Iced Earth

Über Iced Earth scheiden sich die Geister. Die einen berufen sich auf den ehemaligen Sänger Matt Barlow, die anderen können sich voll und ganz auf Tim Owens einlassen. Trotz diverser Meinungsverschiedenheiten sind und bleiben Iced Earth ganz große Mitstreiter, auf dem Weg in die heiligen Hallen des Heavy Metal Throns. Eröffnet wurde mit „Burning Times“, welches durch Power und eine fantastische Gesangsleistung von Tim Owens sofort die Massen mobilisierte.

Kraftvoll bestritten Jon Schaffer und Co die recht ansehnliche weitere Setlist, mit „Venegeance Is Mine“, „Stormrider“ und „Birth Of The Wicked“ folgte ein Hit dem anderen. Vermisst wurde lediglich der Kultsong „Pure Evil“, welcher leider nicht dargeboten wurde. Komplettiert mit Feuerwerk und Pyroeffekten war für Auge und Ohr bestens gesorgt. Mit „Iced Earth“, dem gleichnamigen Album- Titelsong, wurde dann das Finale eingeläutet. Sänger Tim Owens konnte sich als Neuzugang live beweisen, und alle Fans konnten zufrieden in die Nacht ziehen.

Samael

Zu reichlich später Stunde standen dann endlich die sagenhaften Samael auf der Party Stage. Trotz Kälte und Uhrzeit war der Platz gut gefüllt und die Schweizer wurden mit großen Augen erwartet. Mit einer hervorragenden Mixtur aus ihrer Diskographie schafften Samael es das Blut in Wallung zu bringen. Vom Klassiker schlechthin „Rain“ bis hin zu Songs wie „Slavogracy“ vom aktuellen Album „Solar Soul“ und wieder ganz zurück mit „Baphomets Throne“ wurde alles aufgefahren.

Die Bühne in düsteres, rotes Licht getaucht, unterstrich nochmals die kühlen, glasklaren Sounds der Band. Frontmann Vorph überzeugte wie kein zweiter durch seine wahninnig charismatische, und dennoch höflich reservierte Art. Mit weiteren Soundmonstern wie „On Earth“ und „The Ones Who Came Before“ rissen Samael einfach jeden Anwesenden in pure Begeisterung. Hier wurden definitiv alle Erwartungen erfüllt und die erdig rauen Klangfundamente verfehlten niemals ihre ganz eigene Wirkung.

Als letzten Song gab es dann das überirdisch geniale „My Saviour“ zu hören. Hier waren wirklich Meister ihres Faches am Werke, ein insgesamt gesehen imposantes Gesamtkunstwerk. Unbestreitbar ein Highlight auf dem Wacken Open Air 2007!

SAMSTAG

Sommer, Sonne, Sonnenschein, eine frostige Freitagnacht ging mit Samael zu Ende, der Trommelwirbel war bereit für seinen letzten Einsatz. Zweidrittel des Festivals war Geschichte, der finale Samstag bot jedoch noch ausreichend Höhepunkte und Spannung.

Würden die New Yorker Doom Titanen von Type O Negative das Gelände wohl pünktlich zu ihrem Auftritt erreichen? Wie genau hatte man sich die Immortal Show vorzustellen? Würde es die üblichen Special Guest bei Destruction auf die Bühne treiben? Bekäme Timo Kotipelto zu seinem Auftritt mit Stratovarius um 14.45 Uhr wieder seinen obligatorisch glutroten Kopf und warum in aller Welt schließen ausgerechnet Subway To Sally das Wacken Open Air Festival 2007 ab???

Fragen über Fragen galt es zu beantworten und so wurde nicht lange getrödelt diesen Dingen auf den Grund zu gehen!

Sonic Syndicate

Die schwedischen Sonic Syndicate sollten am Samstag Vormittag den Wacken Besuchern mit ihrem Mix aus Melodic Death und Metalcore den Schlaf aus den Augen treiben. Gepuscht durch reichlich Pressearbeit gehören sie zu den hoffnungsvollsten und aufstrebensten Bands der Metalszene. Ihr musikalischer Stil ist von vielen Einflüssen durchzogen und durchaus vielseitig. Auf dem diesjährigen Wacken Open Air sollten Sonic Syndicate nun ihre Live Qualitäten unter Beweis stellen. Ein Mix aus eingängigen Melodien und sattem Sound traf auf das Publikum.

Mit ihrem aktuellen Album „Only InHuman“ trafen die sympathischen Schweden komplett den Nerv der Zuschauer. Für die recht frühe Uhrzeit waren jedenfalls eine Menge Menschen vor der Black Stage unterwegs, welche die Energie nur so in sich aufsaugten. Mit Ehrgeiz und musikalischer Qualität sorgten Sonic Syndicate für Stimmung, und ergatterten bestimmt reichlich neue Anhänger.

Moonspell

In gewisser Weise war es unglaublich schade, eine Vollblut- Düsterband wie Moonspell in strahlender Mittagssonne zu platzieren. Der finstere Funke wollte leider nicht so recht überspringen, Vampire und dergleichen treiben doch eher in der Dunkelheit ihr Unwesen. Fernando und seine Mitstreiter gaben trotz dieser Widrigkeit nicht auf, und verstanden es voll und ganz sämtliche Nachteulen auf dem Platz zu Begeistern. Die Portugiesen zogen mit ihren tiefgründigen, massiven und dennoch wunderbar melodiösen Sounds, die Herrschaaren in ihren Bann. Sei es mit Klassikern wie „Opium“ und „Alma Mater“, oder mit Moonspells Übersong „Full Moon Madness“.

Durch grandiose Interaktion mit dem Publikum erreichte Sänger Fernando ein unglaubliches Feedback, überschäumender Beifall und eine tobende Masse standen im Vordergrund. Die Fans genossen jeden Augenblick, und die gar nicht so finster dreinblickenden Gesellen von Moonspell hatten alle Sympathie Punkte auf ihrer Seite.

Stratovarius

Was gibt es über die finnisch, deutsch und schwedische Power Metal Formation Stratovarius noch zu sagen? Seit Jahren garantieren sie für Spaß und beste Unterhaltung auf dem Wacken Festival. Trotz diverser Probleme in den letzten Jahren rauften sie sich wieder zusammen und gelten als die Power Metal Band schlechthin. Timo Tolkki, Jens Johansson, Lauri Porra, Jörg Michael und natürlich Goldkehlchen Timo Kotipelto lieferten mal wieder eine stimmungsvolle Show ab.

Begonnen wurde mit dem Kultklassiker überhaupt „Hunting High And Low“, bei dem Sänger Timo Kotipelto, singender und gleichzeitig laufender Weise, die Bühne enterte. Also ein rasanter Auftritt, der Beigeisterungsstürme hervorrief. Weiter ging es mit „Speed Of Light“ und „Paradiese“, sowie „Distant Skies“ gefolgt von „A Million Light Years Away“. Insgesamt legten Stratovarius eine perfekte Show hin und präsentierten ein Potpourri ihrer größten Hits. Ein ganz besonderes Highlight folgte mit der Uraufführung ihres neuen Songs „The Last Night On Earth“, dessen eingängige Melodie sich sofort in jeden Gehörgang klammerte, und Vorfreude auf das hoffentlich bald erscheinende neue Album auslöste.

Beschlossen wurde die Show mit „Eagleheart“ und dem immer wieder gern gehörten „Black Diamond“, welcher auch dieses Jahr zum mitsingen einlud. Stratovarius zeigten ihre ungebremste Spielfreude und verwandelten den Platz vor der True Metal Stage in eine einzige Partyzone. Immer wieder gern gesehene Gäste auf dem Wacken Open Air!

Dir En Grey

Eine kulturell weitere Reise stand mit den Japanern von und mit Dir En Grey als Nächstes auf der Speisekarte. Durchgeknallt wie es besser nicht geht, ein wenig mehr an Inszenierung als für mancherlei Geschmack nötig, kratzen, bluten, Rumspringen, alles wurde geboten. Im Strom des Visual-Kei nach Europa abgetrieben, boten die wilden Kerle um Sänger Kyo ein energiegeladenes Set um Songs wie „Saku“, „Merciless Cult“, oder „The Final“.

Mit dem aktuellen Album „The Marrow Bone“ im Schlepptau, geben die Asiaten nicht nur für Metalbegeisterte richtig Gas. Zwischendrin eine köstlich kulinarische Erfrischung und damit ein deutlicher Hauch Abwechslung.

Tourettes (Pressezelt)

Die aus Australien stammenden Tourettes lieferten im vergangenen Jahr schon eine grandiose Vorstellung auf dem Wacken ab. Damals noch unter dem Namen Tourettes Syndrome, welcher wohl aus rechtlichen Gründen in Tourettes geändert wurde. Blickfang und Stimme des Unterfangens ist Sängerin Michelle Madden, die durch ihre geniale Stimme, unglaublicher Ausstrahlung und Kraft, der Band das gewisse Etwas verlieh. Diesmal hatte die versammelte Presse die Ehre ein exklusives Ohr auf die neue Scheibe namens „Treason Songs“ zu legen.

Zwischen übelst tiefen Growls und astreinem Gesang siedelten sich harte Riffs und Rocksound an. Diese extravagante Mixtur bescheinigte den Tourettes einen unverkennbaren Wiedererkennungswert. Mit thrashig modernem Sound, und einer wahnsinnig fesselnden Frontfrau in Augenhöhe, gab es eine große Portion erfrischenden Metal präsentiert. Hier sollte der geneigte Konsument der harten Töne wachsam sein, und die Tourettes stetig im Auge behalten.

Norther

Nach Children Of Bodom, sind es ganz deutlich die Freunde von Norther, die in Finnland den aktuellen Melodic Death / Thrash Ton angeben. Mit knallharten Riffs, ordentlich Geschwindigkeit und einem gesunden Gespür für Melodie und Harmonie gelingt den Finnen ein professioneller Spagat im Metalbusiness.

Mit dem 2006er Album „Till Death Unites Us“ und der aktuellen EP „No Way Back“ brauchen sich die Jungs um Petri Lindroos, nebenbei auch Sänger und Frontmann von Ensiferum, keinesfalls verstecken und auch die Arbeiten für weitere Songs, die für August/September vorgesehenen sind, werden sicher wieder ohne Zweifel reife Früchte tragen. Wer einen Vorgeschmack auf die Tour im Oktober erhaschen wollte, konnte es sich vor der Party Stage gemütlich machen und einen tiefen Atemzug Skandinaviens inhalieren.

Frisch, frech, spritzig und mit Nasenfahrrad wussten sie zu begeistern, die Menge anzuheizen und der Petri schreite einfach alles raus. Die dargebotene Vorstellung konnte eindeutig überzeugen und machte durchaus Lust auf mehr.

Ichhichlefich Binhinlefin Einheinlefein FinnhinnlefinnLandhandlefand Fanhanlefan! Das bestätigt sich immer wieder aufs Neue, manchmal bin ich selbst davon überrascht und wer die eben genutzte Räubersprache nicht zu lesen vermag, für all diejenigen noch einmal ganz kurz und deutlich: Finnland rules!

Turisas

Warum die Finnen derzeit so tierisch boomen, weiß bestimmt niemand so recht zu erklären, und auch warum in Gottes Namen diese Finnen so oft sie nur können, Fellfetzen tragen und Steinzeitpartys feiern müssen, bleibt wohl auch auf ewig unbeantwortet. Um gleich bei „tierisch“ zu bleiben, hier ein professioneller Schwenk zu den Kriegern von Turisas.

Mitleid und Respekt an alle Bands, die es auf dem Wacken in das von vielen bewusst umgangene WET Stage Zelt getrieben hat. Superheiß, feucht und stinkig. Solche Zustände umgeben fast jeden hier eingeplanten Act und dennoch treibt es ab und an beachtliche Menschenansammlungen zu genau dieser Pilgerstätte. Steinzeit, Mittelalter, Kannibalen, was auch immer der Beweggrund ist und war, die finnische Truppe kennt keinen Schmerz und läd zu kollektivem Schwitzen und Stinken, samt musikalischer Aufführung ein.

Battle Metal als Albumtitel und auch für die eigene Definition als Bezeichnung gewählt, konnte dieser Auftritt durchaus überzeugen, jedoch werde ich es dann auch weiterhin vorziehen, dieses Zelt möglichst zu meiden und zu gezielten Club Gigs pilgern, sofern denn möglich.

Destruction

Nach dem glorreichen Auftritt der Ruhrpott Thrash Legende Sodom am Donnerstag, sollten nun auch die Thrash Veteranen von Destruction zum Zuge kommen. Auch hier gab es Grund zum jubilieren, es wurden 25 Jahre Bandgeschichte geschrieben. Zum Dank gab es eine Best Of Show, samt vollständig ausstaffiertem Mad Butcher. Und dieser fegte auch gleich bei „The Butcher Strikes Back“ über die Bühne.

Es folgten „Curse The Gods“ und „Alliance Of Hellhounds“, welches tatkräftig von Bobby Blitz von Overkill, Peavey Wagner von Rage und Oddleif Stensland von Communic unterstützt wurde. Schmier und Co hatten also nicht zuviel versprochen und sorgten für ordentliche Moshpits. Auf der Setlist fehlten natürlich auch nicht „Life Without Sense“, „Thrash Till Death“ und „Total Desaster“.

Das Gesamtbild wurde von Pyroeffekten und Flammen sämtlicher Art und Ausrichtung untermalt, so dass ein bombastisches Live Erlebnis garantiert war. Das unumgängliche „Bestial Invasion“ sorgte, als letzter Punkt der Setlist, für ungeahnte Sprechchöre seitens der Fans. Ein wirklich gelungener Auftritt von Destruction. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und bleiben auch angesichts der Schmier´schen „Ich komm gleich wieder“ (und wart nie mehr gesehen) Tradition außerordentlich geduldig!

Type O Negative

Was für eine Überraschung! Die New Yorker Grünlinge von Type O Negative beehrten das aller erste Mal unser beliebtes Wacken Open Air. Peter Steele an sich gab sich ja schon im letzten Jahr die Ehre, und legte mit seiner tot geglaubten Thrash Formation Carnivore eine phänomenale Reunion hin.

Ausgestattet mit Bart und Zylinder betrat Herr Steele dann auch dieses Jahr bestens gelaunt die Bühne. Seine Mitstreiter Kenny Hickey, Johnny Kelly und Josh Silver waren ebenfalls gut aufgelegt, und sorgten auch beim Publikum für reichlich gute Stimmung. Johnny hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Fans mit einer Kamera zu filmen und damit Begeisterungsstürme auszulösen. Schon komisch, das eine Band deren Sound eher schwer doomig und massiv daherkommt für solche Partystimmung verantwortlich werden konnte.

Vielleicht war es einfach die Freude über Type O Negatives Anwesenheit, da sich die Band, bis auf die gerade überstandene Europatour, in den letzten Jahren doch eher rar gemacht hatte und für reichlich Stoff in der Gerüchteküche sorgte. Nun denn, dargeboten wurden hauptsächlich Songs der Dauerbrenner „Bloody Kisses“ und „October Rust“. Und es stellte sich heraus das „We Hate Everyone“ und „Love You To Death“ immer noch nichts an ihrer heftigen Intensität verloren haben.

Das neue Album „Dead Again“ fand in Form von „The Profit Of Doom“ natürlich auch seinen wohl verdienten Platz in der Setlist. Die zwischenzeitlichen Klamauk Einlagen des Frontmannes Steele überraschten, kamen aber wirklich gut an. Und hingegen einiger Meinungen, Herr Stahl wäre betrunken gewesen, kann ich aus Erfahrung nur hinzufügen, dass dem definitiv nicht so war. Die Krone wurde dem Ganzen dann noch durch „Christian Woman“ und dem Gassenhauer „Black No 1“ aufgesetzt.

Tausende von Fans erlebten einen grandiosen Höhepunkt des Festivals. Type O Negative zeigten sich von ihrer Schokoladenseite und vollbrachten eine absolute Glanzleistung.

Immortal

Die Black Metal Sensation in der diesjährigen Wacken Running Order kam dann in Form der Panda Fraktion Immortal und deren exklusiver Reunion Show am Samstagabend zum Ausdruck. Nach ihren Landsmänner Kollegen von Dimmu Borgir, galt es nun ein weiteres Mal den Norweger Gesellen die Bühne zu räumen. Wenn auch optisch nicht mehr so perfekt geformt wie noch vor Jahren, standen Immortal trotzdem erfolgreich ihren Mann und bewiesen der großen Festival Fanbase die Quicklebendigkeit von Unsterblichen.

Ganz sicher nicht die leichteste Kost und für manch einen auch textlich ziemlich zwiespältig beziehungsweise fragwürdig, geben Immortal doch zumindest charismatisch betrachtet eine Menge her. Eine rundum gute Show, gekonnte Selbstinszenierung und brachial geradlinige Power dröhnte regelrecht von der Bühne und das Trio konnte sich über das Fanaufgebot vor der Bühne freuen. Auch wenn „freuen“ nicht die typischste Eigenschaft einer schwarzen Seele ist, wird es hier jedoch ausnahmsweise mal gestattet.

Abbath samt Bandkollegen donnerten was das Zeug hielt, untermalt durch reichlich Lichteffekte, eine wirklich eindrucksvolle Sache. Mal sehen ob es in Zukunft mehr davon gibt!?

In Flames

Meine letzte wirklich aufmerksam verfolgte und persönliche Abschlussband des 18ten Wacken Open Airs hörte auf den Namen In Flames und brachte ein sattes Set voll gepackt mit dem Göteborg Sound No. 1. Wieder hatten sie es geschafft, eine Wahnsinns Menge an Zuschauern vor die Bühne zu ziehen und es wurde wirklich endlich Zeit. Jedes Mal wieder beeindruckend, die Fanbase auf dem Bildschirm zu betrachten.

Beinahe beängstigend und dennoch wohltuend angenehm, diese friedliche Atmosphäre. Zwischenzeitlich empfand ich den benachbarten Soundcheck für die Nachfolge-Knüppler von Cannibal Corpse als ziemlich störend und schlichtweg zu laut. Zugegeben hatte ich zu Anfang nicht den allerbesten Platz, musste mich vorerst mit leichter Schrägstellung begnügen. Jedoch drängelte ich mich nach und nach aufmerksam und stets höflich in Richtung True Metal Stage. Rein instinktiv und von unglaublichen Kräften angezogen, konnte ich einfach nicht widerstehen, die Verlockung war einfach zu groß!

Der offensichtlich gerührte Sänger Anders Friden konnte man gerade so die Tränen zurückhalten, was sich beinahe schon als ansteckend auswirkte. Eine Anziehungskraft die ich eigentlich genau genommen gar nicht richtig ergründen kann, umschwebt diese Band und lässt enorme Gänsehaut aufkommen. Als Festivalband der absoluten Spitzenklasse ein großer Kracher, mitreißend bis zur letzten Sekunde. Nach meinem letzten In Flames Club Gig ein wenig unentschlossen, wurden hier jedoch wieder alle eventuellen Zweifel über Bord geschmissen und gnadenlos sich selbst überlassen.

Keine Chance für Miesepeter, da bleibt einem fast die Luft zum Atmen weg. Diese Performance war ungelogen as it´s best! Eigentlich darf man gar nicht ungeschoren davonkommen, wenn man doch eine Horde hypnotisierter Metalmenschen bei Titeln wie „Cloud Connected“, „The Quiet Place“, „Take This Life“, „My Sweet Shadow“ und / oder natürlich dem Rekord „Jumping“ Song „Only For The Weak“ zum Takte hüpfen und abfeiern anstiften kann! Boah, wow! Genial! Meine Lieblings W:O:A Band 2007 und jedes Jahr gerne wieder!

Cannibal Corpse

Die Freunde der härteren Klänge sollten gegen Ende des Wacken Open Airs noch einmal die komplette Packung Kannibalen Sound zu hören bekommen. Mit den amerikanischen Cannibal Corpse bot das Festival eine der definitiv aggressivsten und brutalsten Bands des Planeten. Los geprügelt wurde mit „Unleashing The Bloodthirsty“, was die Fanscharen sofort außer Rand und Band trieb.

Fronter George „Corpsegrinder“ Fisher brüllte sich die Seele aus dem Leib und jagte damit jedem Anwesenden kalte Schauer über den Rücken. Weitere Songs wie „Disposal Of The Body“, und „Covered With Sores“ dürften auch dem letzten die Müdigkeit aus den Augen gehämmert haben. Endlich durften die Kannibalen alle ihrer Songs ohne Zensur Live darbieten, was natürlich auch prompt in die Tat umgesetzt wurde. Mit „I Cum Blood“ und „Vomit The Soul“ ging es dann langsam dem Ende zu, den Bonuspunkt sicherte letztendlich noch „Stripped, Raped And Strangled“. Ingesamt war die Show gut und blutgetränkt. Da gab es kein Entkommen mehr, Glut, Gehirn, Massaker!

FAZIT

Und man mag es kaum glauben, aber da war´s auch schon wieder vorbei, das große Wacken Open Air! Viele Fragen konnten im Laufe des gut dreitägigen Spektakels zwar beantwortet werden, jedoch blieben auch einige Punkte bis dato immer noch geheimnisvoll ungeklärt.

Zum Beispiel die seit ein paar Jahren schon heimlich hinterrücks eingeschlichene Tradition, das der abschließende Festival Act jetzt immer entweder mittelalterlichen oder „komischen“ Geschlechts sein muss. Dabei ist gar nicht richtig zu sagen, was nun schlimmer ist. Der Metalminder würde sich wirklich sehr freuen, wenn der Onkel Tom (wahlweise auch Sodom) wieder das Ruder in die Hand nehmen, und die alte Tradition wieder aufleben lassen könnte. Nicht, dass wir irgendeine Band schlecht machen möchten, ganz gewiss nicht, aber trotzdem ist es vor lauter Flöten und Schalmei Klängen manchmal einfach zuviel des Guten. Der Abschluss für das größte Heavy Metal Festival der Welt sollte dementsprechend richtig Dampf erzeugen.

Zurück zum Ablauf des 18ten Wacken Festivals ist zu sagen, dass es nirgendwo sonst so einen immensen Zuspruch und Zulauf gibt, wie in diesem kleinen Dorf in Schleswig Holstein. Grandios gemeistert, der Hut kann erneut gezogen werden, die Dynastie kann sich nicht beklagen, die Kassen reich gefüllt. Es wird spannend werden nächstes Jahr.

Unsere Prognose von round about 100.000 Besuchern für 2008 wird aufmerksam beobachtet und eigentlich ist zu hoffen, dass uns dieser weitere Anstieg verschont bleibt. Größer, größer und irgendwann zu groß, so würde es wohl kommen. Bauer Trede, bitte lass Dein weiteres Land zum landwirtschaftlichen Zwecke weiter unberührt und genieße bis dahin den dörflichen Frieden in der Gemeinde Wacken! Alles Gute und wir sehen uns auf dem 19ten W:O:A – Rain Or Shine!

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Sauna Open Air 2007

Wer bisher der Meinung war, in Finnland sei nicht viel zu feiern, und wenn, dann beschränke es sich hauptsächlich auf die Landeshauptstadt Helsinki, mit Sitz am Meer, der hat sich wahrlich getäuscht und muss dringend eines Besseren belehrt werden. Der spätestens seit Lordi nicht mehr zu verleugnende Schwerpunkt im Bereich Metal regiert schon seit Jahren den „Untergrund“ und wartet hier und da mit unglaublich lohnenswerten Events auf. Neben dem Tuska Festival in Helsinki, stehen weitere schwerwiegende Höhepunkte ins Haus.

Diesen Juni verschlug es die Metalminder Crew ins besinnliche Tampere, vorerst geprägt durch wunderschöne Naturinszenierungen und Freizeitangebote im Bereich „Boot fahren“ und „Wandern“ verbreitete sich mehr und mehr der schwarze Metal Nebel über der knapp unter dreihunderttausend Einwohnern liegenden Stadt. Das Sauna Open Air hatte seine Türen und Tore geöffnet und mit den absolut sehenswerten Headlinern Heaven And Hell, Type O Negative und Megadeth konnte schon im Vorfeld nicht viel schief gehen.

Vom 7. – 9. 06. reichte der Eteläpuisto Park in Tampere eine paradiesische Kulisse zum Wohlfühlen und Horchen.

DONNERSTAG

Korpiklaani

Folkloristische Humppa Klänge gepaart mit Mittelalter und Metal bescherten den ersten Festivalbesuchern die einheimischen Jungs von Korpiklaani. Für alle Unwissenden ein echter Geheimtipp in Sachen Spaß und Geschmack, für die meisten jedoch längst eine der anführenden Bands in Sachen finnische Traditionsmusik. Mit gut gemischtem Programm von den Alben „Voice Of Wilderness“, „Spirit Of The Forest“, „Shamaniac“ oder aber dem neuen „Tales Along This Road“ legte sich das Sextett so richtig ins Zeug und rockte die Wiesen. Ein turbulenter und passender Einstieg für ein hoffentlich erfolgreiches Sauna Open Air 2007!

Los Bastardos Finlandeses

Suomi-Mexico im Titel der Band und auf der Bühne authentischer, ehrlicher und verdammt bodenständiger Hardrock rauschte über die Sonnenbrand gefährdeten Köpfe der Metalfans. Zwar war der Tag schon um einige Stunden fortgeschritten, der kurze Zeiger zwischen 5 und 6, aufgrund der wunderbaren Helligkeit im Lande fühlte sich der „Otto-Normal-Europäer“ jedoch wie der ultimativen Mittagshitze ausgesetzt, leicht erschöpft. Ein Glück, man hatte mitgedacht, und die Bühne war perfekt ausgerichtet, um dem Besucher eine Ladung Schatten zu spenden. Ein wenig flau der Ansturm auf die Band, obwohl hörbar wirklich super.

Pain Confessor

Um 18:15 Uhr gab es auf der Radio Rock / Inferno Stage eine ordentliche Portion melodischen Death/Thrash Metals zu hören. Die im Jahre 2002, in Hämeenlinna/ Finnland, gegründeten Pain Confessor setzen sich zusammen aus Markku Kivistö (Vocals), Mikko Kivistö (Bass), Tuomas Kuusinen (Guitar), Vesa Säkkinen (Guitar), Mikko Laihanen (Drums) und Pasi Laihanen (Keyboard). Mit ihrem Debut- Album „Turmoil“, aus dem Jahre 2004, setzten sie den Meilenstein für eine erfolgreiche Zukunft. Auf dem Sauna Open Air war von der ersten Sekunde an alles klar. Eingängige dynamische Songs gepaart mit harten Riffs und aggressivem Death Metal. Mit Krachern wie „Ne Plus Ultra“ und „Poor Mans Crown“ zeigten Pain Confessor eindrucksvoll wie man eine gute Figur macht.

Timo Rautiainen

In seiner Heimat Finnland ist Timo Rautiainen ein nicht mehr wegzudenkendes Urgestein der Rock und Metal-Szene. Seine Band Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus wurde 2004 vorerst auf Eis gelegt und 2006 endgültig aufgelöst, so pilgert er nun auf Solopfaden. Mit seinem aktuellen Album „Loppun Ajettu“, dessen vorab ausgekoppelte Single „Outulintu“ Platz drei der finnischen Charts erreichte, bekamen die Besucher Rockmusik in ihrer ganzen Vielseitigkeit dargeboten. Gitarrensound wurde großgeschrieben und die einzigartige Stimme von Timo Rautiainen kam voller Wucht und Emotionen daher. Man konnte Rautiainen die Spielfreude bei Songs wie „Sinulle“ und „Punainen Viiva“ des Vorgängeralbums „Sarvivuori“ regelrecht ansehen. Die Fans vor der Main Stage waren jedenfalls absolut hingerissen und gingen in voller Begeisterung mit. Leichter Folk Einschlag, durch und durch finnische Texte mit schönen Melodien und klasse Gesang. Timo Rautiainen bot einen vorzüglichen Auftritt.

Stam1na

Der Platz vor der Radio Rock / Inferno Stage war zum Bersten gefüllt. Sänger Antti Hyyrynen, Gitarrist Pekka Olkkonen, Schlagzeuger Teppo Velin und Bassist Kai- Pekka Kangasmäkj präsentierten ihre bisher veröffentlichten Alben einer völlig euphorischen Menge. Stam1na spielten Death Metal mit dem gewissen Extra. Alle Texte sind komplett auf Finnisch. Mit „Likainen Parketti“, „Edessani“ und „Kadonneet Kolme Sanaa“ seien nur einige genannt. Die versammelte Gemeinde ließ sich von der überaus motivierten Band mitreißen. Stam1na boten eine recht gekonnte Darbietung und waren live durchaus überzeugend.

Megadeth

Na endlich – Megadeth! Gespannt wie ein Flitzebogen und voller Ehrfurcht hatte ich auf diesen Augenblick gewartet. Zuletzt 1997 in der Hamburger Markthalle live gesehen und seither von Altmeister Dave Mustaine begeistert, rundete dieser Festivalauftritt eine fast schon symbolische zehnjährige Epoche ab. Nach wie vor auffällig „schick“, zurückhaltend, akustisch wie optisch edel, fungiert Mr. Dave als charismatischer Frontmann. Beeindruckend ist hier ebenfalls die unglaubliche Frische und Jugend, die den Gitarrenhelden so mancher Musikerkollegen umgibt. Auch musikalisch und Line-Up technisch ist viel geschehen die letzten Jahre, und trotzdem gelingt dieser Band mit dem brandneuen Album „United Abominations“ eine wahre Glanzleistung im Heavy / Trash Bereich. Die gewohnten, wieder erkennbaren Eigenschaften von Megadeth sind konstant qualitativ geblieben und keinesfalls nachlässig.

Genau von diesen Qualitäten konnten sich an diesem Donnerstag bei niemals so richtig untergehender Sonne die Besucher des Sauna Open Airs überzeugen. Nach den ersten Klängen eine höfliche Begrüßung des Sängers inklusive dem Hinweis, die folgende Zeit bis 22 Uhr mit knauseriger Rederei zu füllen, um dem Publikum die höchstmögliche Essenz und Songdichte garantieren zu können. Dies stieß bei den Anwesenden auf regen Zuspruch und motivierte erneut, die selten gesehenen Helden zu feiern. Die Setlist ein buntes Gemisch aus alten Hits, Klassikern und neuem Material bot reichlich Würze und zeigte alsbaldige Wirkung. Alle schienen von diesem Abschluss begeistert und lauschten aktiv dem Mustain`schen Gitarrenspiel. Das finale „Symphony Of Destruction“ ist ja inzwischen schon legendär bzw. DIE Hymne überhaupt und brodelte die Menge noch einmal so richtig auf.

Dave himself schien sichtlich erfrischt und freute sich über den Support aus den Reihen und dankte dies auch noch nach Ende der Show durch ausführliche Danksagung. Eine besondere Ausnahmeerscheinung in der Metalszene und wirklich grandios!

FREITAG

Wie inzwischen schon beinahe überall so üblich, laden neben dem offiziellen und bodenständigen Festivalprogramm diverse Aftershow Parties in diversen Lokalitäten zum Tanz. So auch im lauschigen Tampere. Mit der bekannten Inferno Bar, die neben der Hauptstadt Helsinki auch hier erfolgreich eine Zweigstelle führt, stand der Festival Verlängerung bis in die frühen Morgenstunden nichts im Wege. Proppevoll und gut gelaunt strömte es in jede Ecke, wer keinen Platz in den vier Wänden fand, begnügte sich bei lauen Temperaturen einfach auf und zwischen den Straßen, da überall eine Menge los! Ganz so lang, wie wir Deutschen es gewohnt sind, wird hier oben jedoch nicht gefeiert, was aber nicht wirklich schlimm ist, denn es kommt ja bekanntlich auf die Qualität an.

Neuer Tag, neue Frische. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die grünen Farben der an diesem Abend zum Tragen kommenden Type O Negative Fahnen schwankten sich gemächlich ein. Doch zu allererst – hier die weiteren Teilnehmer des diesjährigen Streiches im Überblick.

Entwine

Oh man, Superheiß! Ziemlich unerträglich und penetrant glühte es vom Himmel und Entwine hatten das Vergnügen, den Freitag samt Fanbase einzustimmen. Blöde Position, so als erste Band des Tages aufzutreten, wenngleich eine Vielzahl Fans noch dabei ist, sich in die Area einzuloggen. Warteschlangen am Einlass hinderten so manchen Besucher, sich diese Band komplett anzusehen und auch die Jungs um Sänger Mika hatten damit zu kämpfen. Nichtsdestotrotz gaben die „Erstreihigen“ im Publikum sich reichlich Mühe um die Stimmung anzuheizen und den gebührenden Applaus für wirklich gute Arbeit auszuteilen. Klasse Sache!

Wie wir dann am späteren Abend noch miterleben durften, wurde zumindest Sänger Mika auf die wohl beste Art für diesen Frühstart-Misserfolg entschädigt. Als offensichtlich großer Type O Negative Fan, heimste er vor und während des Type O Gigs so einige „Backstage Mit Dem Meister Of Doom“- Erfahrungen ein und feierte die Brooklyner Gang aus ganz persönlicher Sicht. Autogramm und Fanfoto inklusive! Immer wieder toll zu sehen, wie die selbst nicht gerade unerfolgreichen Musiker sich dem großen Peter aus Amerika unterwerfen!

Kotiteollisuus

Vorwiegend Finnisch ging es auch gleich mit den haarigen Mannen von Kotiteollisuus weiter. Den Namen kaum aussprechbar und die Wuschelfrisur zurechtgerückt, verlief diese Stunde mit äußerst eingängigem Sound und richtig gutem Rhythmusgefühl. Auch hier wieder nur Lyrik aus eigenen Landen, somit ein schlechter Analysefaktor für die europäische Allgemeinheit. Dennoch super Musik, typische finnische Qualität und ein echter Leckerbissen für Zwischendurch.

Kotipelto

Freitagnachmittag in Tampere. Seit Tagen schien unablässig die Sonne und ließ Finnland schwitzen. Dann endlich war es endlich soweit, Finnlands Ausnahmesänger Timo Kotipelto gab sich die Ehre. Eine volle Stunde lang Melodic Metal vom Feinsten, mit dem Original Line- Up auf der Bühne, samt Janne (Children Of Bodom) am Keyboard. Die Setlist zog sich durch alle drei Solo- Alben, wobei der Schwerpunkt wohlgemerkt auf dem aktuellen Output „Serenity“ lag. Voller Hingabe und mit typischen Kotipelto Posen, a la Stratovarius, wurden die Songs dargeboten. Angefangen mit „Lord Of Eternity“ vom Debut- Album „Waiting For The Dawn” über “Take Me Away” und “Reasons” vom Album “Coldness” bis hin zu „Angels Will Cry“, „Mr Know It All”, „Serenity“ und natürlich der Erfolgs- Single „Sleep Well“. Inmitten des Sets gab es dann einen ausgewachsenen Gewitterschauer, man könnte meinen Herr Kotipelto ziehe den Regen magisch an, erinnere man sich nur an den Auftritt auf dem Wacken Open Air 2002, wo Kotipelto wegen eines Sturmes den Gig abbrechen musste. Nun ja, so schlimm war es diesmal nicht und alles konnte in geregelten Bahnen weiterlaufen. Ein gut aufgelegter Timo Kotipelto zeigte sich Energie geladen und voller Optimismus.

Dimmu Borgir

Den ganzen Nachmittag schon (wohlgemerkt bauchfrei) herumwandernd, schälte sich der Frontmann „Shaggy“ Shagrath gemeinsam mit seinen Bandkollegen pünktlich zum Auftritt in den ultimativ bösen Einheitsdress. Killerspikes an schwarzes Leder(imitat) geschraubt, ab ums Bein gewickelt und fertig ist die Dimmu Borgir Uniform. Optisch ein fein herausgeputztes Bild, ganz Haute Couture Like, brachten die Norweger einen Hauch von Düsternis und Ernsthaftigkeit unter das vorwiegend finnische Publikum. Ihre skandinavischen Nachbarlandskollegen gut ins Auge gefasst, qualmte und nebelte eine bombastische Show von der Hauptbühne in Tampere. Mit dem Status der so ziemlich einzig anwesenden Band dieser Musiksparte im Rücken, gaben sich die Mannen um Shagrath alle Ehre und unterstrichen ihre erfolgreiche Position. Material vom aktuellen Album „In Sorte Diaboli“ durfte neben den altbekannten und viel geforderten „Hits“ der Band natürlich nicht fehlen. Die Veröffentlichungen „Phantasmagoria“ oder „Spiritual Black Dimension“ spielten also wie erwartet eine tragende, und dennoch nicht übergreifende Rolle in diesem Hörspiel.

Ganz klar großartig, heißersehnt wie eh und je und nach all den Jahren und Songs der Band immer noch der Höhepunkt, begab sich in Form von „Mourning Palace“ wie immer zum Ende der Setlist ein Ohrenschmaus zum Finale hin. Wirklich guter Auftritt, aber bei Tageslicht irgendwie unpassend. Düsterrote Lichtshow war hier also durchaus unterstützend und abrundend für den Black Metal Overkill!

Neben dem bereits erwähnten Entwine Sänger, begab es sich im weiteren Verlauf dieses Abends zu einer Zeit, in der auch die Gesellen von Dimmu Borgir die Bühne während des Type O Gigs enterten und die Show nahezu genüsslich aus dem Hintergrund heraus verfolgten. Überhaupt schienen die TON Fans an diesem Freitag in allen Reihen und Rängen aufzufinden, wirklich äußerst interessant. Schade nur, dass der Fotoapparat nicht das niedliche Krümelmonster T-Shirt von „Mega-Evil“ Dimmu Bassist Vortex eingefangen hat, das lässt mich heute noch grummeln.

Poisonblack

Einstmals von Sentenced Fronter Ville Laihiala als Nebenprojekt gegründet, stellen Poisonblack mittlerweile eine hauptamtliche Formation dar. Nachdem Sänger Juha Pekka Leppäluoto das Handtuch geschmissen hatte, um bei Charon als Sänger zu fungieren, griff Ville Laihiala im Jahre 2004 selbst zum Mikro. Auf dem Sauna Open Air wurden die Songs der beiden Alben „Escapextacy“ und „Lust Stained Despair“ gut, aber dennoch nicht überragend dargeboten. Irgendwie wollte das Gefühl nicht weichen, dass Ville nicht so ganz bei der Sache war. Seine Bandkollegen Tarmo Kanerva (Drums), Marco Sneck (Keyboard), Janne Markus (Gitarre) und Antti Remes (Bass) lieferten ein konsequent gutes Set ab. Das Publikum nahm Stücke wie „Rush“, „Exiter“ oder „Nothing Else Remains“ gut auf und klatschte eifrig Beifall. Die Band wirkte absolut eingespielt und professionell. Ich hoffe das Poisonblack es irgendwann schaffen werden aus dem Sentenced Schatten herauszutreten.

Type O Negative

Auf den Auftritt der New Yorker Doom Giganten Type O Negative haben wohl die meisten Metalfans dieses Festivals gewartet. Mit ihrem aktuellen Album „Dead Again“ im Gepäck hatten Type O Negative ihre finnischen Fanscharen hundertprozentig auf ihrer Seite. Pünktlich um 20:30 Uhr standen Type O Negative auf der Bühne. Das Beatles Cover „The Magical Mystery Tour“ bildete den fulminanten Einstand in ein großartiges Konzerterlebnis. Es folgten „Anesthesia“, die neue Singleauskopplung „The Profit Of Doom“ und „We Hate Everyone“. Peter Steele interagierte mit dem Publikum wie selten zuvor. Fahnenschwingende Fans durften auf die Bühne und eine Pete Steele Persiflage durfte auch nicht fehlen.

Die für alle sicherlich größte Überraschung lieferte Keyboarder Josh Silver, der einen Song performte und dabei wie ein wild gewordenes Biest über die Stage fegte. Außerdem gab es noch „Hey Pete“, „These Three Things“ und „Love You To Death“ zu hören. Den Schluss bildeten die Klassiker „Christian Woman“ und natürlich der Übersong „Black No 1“. Die Setlist stellte eine wunderbare Kombination aus fast allen ihrer Albumklassiker dar. Type O Negative lieferten eine frische, intensive und impulsive Show ab. So hat man die grünen Jungs selten gesehen. Ein auf ganzer Linie durchweg grandioses, bombastisches Konzertereignis!

SAMSTAG

Was für ein Finale am gestrigen Tage, noch immer schwer beeindruckt von dem ganzen Drumherum dieses Open Airs, die Lage, das Wetter, die Bands, die Crowd. Eine ganz klar andere Stimmung als so mancher Orts bei uns und mit diesem Line-Up sowieso für diesen Preis (3 Tages Ticket 77,- Euro!) anderweitig kaum vorstellbar. Ein rundum gelungenes Paket, geschnürt und fertig zum Versenden, hatte uns der Donnertag und Freitag präsentiert, der Endspurt und die nun wirklich finale Spannung machte sich breit und die alten Haudegen von Heaven And Hell wurden bereits zum Start dieses Samstages neugierig erwartet.

Doch wie bisher, den Keks gibt es zum Schluss, die weiteren Musiker des Wochenendes als Vorgeschmack.

Ari Koivunen

Nicht nur Deutschland wird von diversen Casting Shows geplagt, auch unsere finnischen Freunde bleiben davon nicht verschont. Allerdings brachte die finnische Version von DSDS (Idols) kein weichgespültes Retortenbaby hervor, sondern einen echten Rocker mit Talent. Ari Koivunen ist mit seinen zarten 22 Jahren ein echter Senkrechstarter der Metal-Szene. Sein Auftritt wurde von massenhaft Fans mit Spannung erwartet und niemand sollte enttäuscht werden. Mit einer Stimme voller Power und echter Rocker Coolness bewaffnet präsentierte Ari die Songs seines Debut- Albums „Fuel For The Fire“ ebenso lässig, wie souverän. Kein Wunder, steht er doch mit Songwritern wie Timo Tolkki (Stratovarius), Tomi Putaansuu (Mr Lordi) und Tony Kakko (Sonata Arctica) auf der sicheren Seite. Titel wie „Hear My Call“ und „Losing My Insanity“ wurden grandios performed. Mit dem Auftritt auf dem Sauna Open Air konnte Ari Koivunen seine exzellenten Live- Qualitäten unter Beweiß stellen. Ihm steht sicherlich eine große Karriere im Musikbusiness bevor.

Sonata Arctica

Auf eine Karriere können auch die Bandglieder von und um Sonata Arctica zurückblicken. Die Finnen haben es in den vergangenen Jahren des Öfteren geschafft, den einen oder anderen Ohrwurm aus Melodic „Power“ Metal in des Metalfans Gehör zu verfrachten. Sänger Tony Kakko war an diesem sonnigen Nachmittag äußerst flink auf der Bühne unterwegs, Pyroeffekte und ordentlich Knaller taten da ihr übriges. Vom neuen Album „Unia“ wurden einige Songs präsentiert, aber auch die heißbegehrten Ohrwurm-Schoten a la „Don`t Say A Word“ oder „Talullah“ zogen ihre verdienten Kreise. Eine wirklich gelungene Stunde Energie und Feuer!

Dark Tranquillity

Neben Bands wie In Flames waren und sind es wohl hauptsächlich Dark Tranquillity, die den so genannten „Göteborg Sound“ über die Bühnen dieser Welt tragen. Nicht nur Band- und Gründungsmitglieder-technisch eng verbunden, geben diese beiden Bands eine zielstrebige Richtung in der Metalszene an. Höchstwahrscheinlich aus vielerlei Gründen wuchs die Fanbase rund um die Hauptbühne beträchtlich an und auch der Startschuss zur Show hatte es dementsprechend in sich. Ein weiteres Pyro Gewitter ergoss sich über die Köpfe und mit dem rasenden Sänger Mikael Stanne an der Front, startete dieser Auftritt verdächtig tonangebend. Die Aggressionen einfach herausgelassen, feuerte die Band eine wirklich fast sprichwörtliche Vorzeige Performance dahin und ein Ende schien kaum absehbar. Von der aktuellen Platte „Fiction“ gab es unter anderem das grandiose „Blind At Heart“ und „The Lesser Faith“ zu hören. Abgerundet natürlich mit älterem Stoff a la „The Poison Well“ oder „The Treason Wall“ eine richtig gehaltvolle Phase guten Geschmacks.

Heaven & Hell

Um 20:00 Uhr war es dann endlich soweit. Götterdämmerung auf der Main Stage. Nach langen 15 Jahren machte das legendäre Quartett endlich wieder gemeinsame Sache. Ronnie James Dio, Toni Iommi, Geezer Butler und Vinnie Apprice sorgten bei allen anwesenden Metalfans für Freudentränen in den Augen. Mit zeitlosen Klassikern wie „Sign Of The Southern Cross“, „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ wurde der Stimmungspegel in kürzester Zeit auf den Höhepunkt getrieben. Ronnie James Dio brillierte als erstklassiger Sänger und Entertainer in Topform. Auch der Rest der Band glänzte durch ihr unbestrittenes Talent. Weitere zeitlose Stücke wie „Voodoo“, „Die Young“ und „Heaven And Hell“ wurden mit tosendem Applaus belohnt. Die Heerscharen von Fans feierten ihre Helden frenetisch und brachten ihr Wohlwollen durch lautstarke Chöre zum Ausdruck. Heaven And Hell sorgten für ein beeindruckendes Konzerterlebnis und einen wunderbaren Ausklang des Sauna Open Airs in Tampere. Kiitos!

FAZIT

Wie bereits erwähnt, lohnt sich ein Trip in die nördlichen Gefilde jedes Mal wieder und neben den hier „erlebten“ Musikattraktionen und dem wunderschönen, beinahe zu gut gemeinten Sommerwetter war dieses erste Sauna Open Air des Metalminders auf gar keinen Fall das letzte. Ein regelmäßiger Besuch bei unseren Nordlichtern ist somit nach wie vor verschärft in Planung und immer wieder unterstützenswert!

Bei dieser traumhaften Lage, direkt am See, umgeben von reichhaltigem Laubbaum Gewächs, was kann da noch schöner sein? Vielleicht ein romantischer Abend bei Sonnenuntergang und aggressivem Möwengeschrei!?

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Elvis „The King“

elvis_coverWas sich am 16. August 1977 in Memphis, Tennessee, ereignete, stürzte damals eine ganze Generation in Fassungslosigkeit. Der plötzliche Tod von Elvis Aaron Presley, dem Idol und Mentor der tonangebenden Rock ´n´ Roll Bewegung brachte entsetzte Gesichter und viele Fragen hervor.

Viel zu jung, im Alter von nur 42 Jahren war seine Zeit vorüber und die musikalische Freiheitsbewegung und Rebellion gegen die Verklemmtheit der Nachkriegszeit musste sich einer großen Leere stellen.

Anlässlich des 30sten Todestages des KING, erschien Anfang August eine Doppel CD mit seinen 50 größten Hits. Der Metalminder nahm sich diesem besonderen Album an, und reflektiert nun die vergangenen Zeiten ehrlichen Rock ´n´ Rolls und versucht sich ein Bild der Geschehnisse und Emotionen zu machen. Schon allein der unglaubliche Umfang von 50 Songs (eigentlich 52, da sich auf jeder CD noch ein Bonustrack befindet), beschert uns eine ausgiebige Zeitreise in die 50s, 60s und 70s und versüßt damit den teils tristen Alltag und die mehr oder weniger ausdruckslose Musikwelt von heute!

Angefangen mit der Aufnahme von „That´s All Right“ von 1954 bis kreuz und quer durch die Sechziger und schlussendlich die Live Aufnahme von „My Way“ aus dem Jahr 1977, die noch zwei Monate vor seinem Tod entstand, lässt deutlich werden, welche Dimensionen und Erlebnisse diese Ära in sich trägt. Um einen Auszug an Songs zu betiteln, gibt es hier also unter anderem folgende Tracks zu hören, manche in der Studioversion, andere als Live Mitschnitt: „Burning Love“, Suspicious Minds“, „Always On My Mind“, „If I Can Dream“, „Heartbreak Hotel“, „Love Me Tender“, „In The Ghetto“, „Jailhouse Rock“, „Blue Suede Shoes“, „King Creole“, „Hound Dog“, „Viva Las Vegas”, „Fever”, „Return To Sender”, „An American Trilogy”, „All Shook Up”, „Don´t Be Cruel”, um nur einige zu nennen!

Wie albern sich doch so manche Dinge anhören und anfühlen, steht man erst einmal den Taten des One And Only Mr. Presley gegenüber. Großartig bis ins letzte Detail und schlicht wundervolle und freche Kompositionen begeistern seither die Massen und tragen die wahrhaftige Langlebigkeit der Songs mit sich. Schade, dass ich diese rekordverdächtige Epoche, bewegt von revoltierenden jungen Menschen, die sich um den Verstand tanzten bis die Schuhsolen brannten, sich voller Bewunderung und Ehrgeiz den damaligen Trends und Stylings hinwarfen, nicht selbst miterleben durfte!

Zumindest die gelungene Mischung aus Studio- und Live Aufnahmen zelebriert eine bald zweistündige Periode Musikgeschichte und übermittelt dem Zuhörer eine leichte, lockere Atmosphäre. Elvis war ja bekanntlich ein gut geerdeter Rocker und seine Affinität zu Country, Soul, Boogie und Blues sind nicht gerade geringfügige Bestandteile dieser ganzen Historie.

Die wesentlichen Schwerpunkte seiner Karriere wurden exzellent erfasst, obwohl es sicherlich dem ein oder anderen an seinem ganz bestimmten Lieblingssong fehlen wird, was aber angesichts der schier unerschöpflichen Quelle an Material gar nicht wirklich zu umgehen ist. Es ist also stark zu hoffen, dass Elvis sowieso seine eigene, unabhängige Präsenz in den Musikanlagen dieser Welt besitzt.

Nicht nur musikalisch charismatisch, konnte Elvis Presley auch durch seine etlichen filmischen Darbietungen direkt ins Herz des Publikums gelangen und sein außergewöhnlicher Charme, gespickt durch einen mitreißenden Humor und eine magische Sympathie verzauberte unzählige Gemüter. Was würde ich für eine persönliche Begegnung und die damit einhergehende Lebenserfahrung geben, die Erfindung der berühmt berüchtigten Zeitmaschine wäre es in jedem Fall wert! Aber nun denn…

Um gen Ende noch ein paar Fakten zu liefern und einen bewussten, durchaus gewagten Bogen zu aktuellen Künstlern zu spannen, kann ich wohl behaupten, dass mit dem Beispiel von PAIN´s „Just Think Again“ das „In The Ghetto“ der heutigen Stunde angezeigt wird und sich im Metal wie auch überall auf dieser Welt der Kreis zu schließen scheint. Was sich in unendlichen Kleinigkeiten durch die Musikproduktionen der Zukunft sprenkeln wird, hat ganz sicher und unverblümt an so mancher Stelle seine Wurzeln und Inspiration von genau unserem Elvis „The King“ Presley!

In jedem steckt ein Funke Elvis und wer angesichts solch rockig, grooviger Rhythmen seine Glieder still halten kann, hat definitiv keine Musik im Blut und nebenbei bemerkt gar keine Ahnung!

Nach diesem analytischen Bericht geht es nun direkt zur Punktevergabe, die natürlich am liebsten die Höchstwertung geradewegs überholen sollte. Verdiente 500 (bzw. 520) Punkte wären hier angebracht, für jeden Elvis Song die volle Zehn, jedoch würde eine solche Bewertung alle Register sprengen und es muss sich mit einer glatten 10+ begnügt werden!

You Are Always On My Mind….

10/10

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Type O Negative Tour 2007

Seit über einem Jahrzehnt bescheren uns die 4 zynischen Dunkelmänner aus New York / Brooklyn alles niederwalzende Hymnen. Das aktuelle Album „Dead Again“ im Gepäck und beladen mit messerscharfer Ironie machten Type O Negative sich auf im guten, alten Europa für Furore zu sorgen. Metalminder war live für euch dabei!

04.06.2007 – Hamburg, Docks

Ein herrlicher Tag in Hamburg. Bei Sonnenschein schlenderten gut gelaunte Menschen über die allseits bekannte Flaniermeile Reeperbahn. Auch Kenny Hickey und Peter Steele ließen es sich nicht nehmen eine Runde zu drehen. Allerdings beklagte sich Peter schon am frühen Nachmittag über Unwohlsein bzw. Magenschmerzen. Also beschloss er sich zurückzuziehen und sich auszuruhen. Die anderen Bandmember Johnny Kelly, Kenny Hickey und Josh Silver machten sich später also zu dritt auf, um in einem großen Hamburger Elektrofachmarkt eine Autogrammstunde abzuhalten. Im Docks wurde Licht und Sound noch der letzte Schliff verpasst, während sich der Spielbudenplatz vor der Halle langsam mit den ersten Type O Negative Fans füllte. Pünktlich um 19 Uhr war dann auch Einlass. Scharenweise Fans strömten voller Vorfreude vor die Bühne. Um 20 Uhr begann dann der Support- Act Down Below sein Ende Juni erscheinendes Album „Sinfony 23“ vorzustellen. Leider gaben viele Type O Fans den Newcomern klar zu verstehen dass ihnen der Sinn nicht nach soften Gothic Sound stand und Down Below ernteten (absolut nicht verdiente) Pfiffe!

Um 21 Uhr sollte es dann endlich losgehen. Eingestimmt von amerikanischen Cartoon Soundtracks platzte die Halle fast vor Erwartung! Doch dann folgte auch noch die Kasachische Nationalhymne (dürfte jedem Borat Fan ein Begriff sein), wäre ein bis maximal dreimal ja noch erträglich gewesen, aber nach dem vierten Start des Tonbandes rissen wirklich jedem die Nerven. Mit einer halben Stunde Verspätung konnte die Band dann endlich starten. Type O Negative betraten die Bühne. Sofort wurde mit dem Beatles Cover „The Magical Mystery Tour“ losgelegt, und mit „Anesthesia“ sorgten Type O Negative für echte Gänsehautschauer, da der Song vom Vorgänger Album „Life Is Killing Me“ auf der letzten Tour nicht live performed wurde. Tiefsten Dank dafür! Es gab auch neues Material zu hören! „The Profit Of Doom“ wurde durchaus überzeugend dargeboten. Schade war nur, dass Frontmann Peter Steele wirklich in schlechter Verfassung war, er interagierte überhaupt nicht mit den Fans und litt sichtlich unter Schmerzen, welche dazu führten das zwischenzeitlich kurze Pausen eingelegt werden mussten. Trotzdem legte die Band ein kurzes, aber dennoch ansehnliches Set hin! Den Abschluss bildeten „Christian Woman“ und natürlich der Übersong „Black No 1“.

Die knappe Stunde Spielzeit gab einigen Anwesenden den Anstoß auszurasten und Ärger zu machen. Schade das doch immer wieder solche Individuen unter den Fans sind. Wacken Chef Holger Hübner versuchte noch zu schlichten und beruhigte mit dem Versprechen auf ermäßigten Eintritt auf dem diesjährigen Wacken Open Air, bei dem Type O Negative als Headliner fungieren. Sicherlich waren Type O Negative in Hamburg nicht in Bestform, aber was soll’s. That`s Life!

08.06.2007 – Tampere, Finnland (Sauna Open Air)

Das Sauna Open Air in Tampere / Finnland bot allein mit seiner einzigartigen Lage (in einem Park umgeben von einem großen See) die perfekte Location für einen Auftritt von Type O Negative. Peter Steele traf circa 2 Stunden vor Showbeginn in der Backstage- Area ein. Gut gelaunt und offensichtlich deutlich gesünder als zuvor in Hamburg war er zum plauschen aufgelegt und alberte herum. Pünktlich um 20.30 Uhr standen Type O Negative auf der Bühne. Das Beatles Cover „Magical Mystery Tour“ bildete wieder denn Einstand. Des Weiteren folgten „Anesthesia“, „We Hate Everyone“ und „The Profit Of Doom“ und auch „These Three Things”. Peter Steele agierte mit dem Publikum wie selten zuvor. Fahnenschwingende Fans durften auf die Bühne und eine Pete Steele Persiflage eines jugendlichen Delinquenten fehlte auch nicht. Herr Stahl nahm es gelassen und bearbeitete weiter seinen markerschütternden Bass.

Die große Überraschung lieferte Keyboarder Josh Silver, der einen Song performte und dabei wie das Tier aus der Muppet- Show über die Stage fegte. Klasse Überraschung, denn damit hatte wohl niemand gerechnet. Die Setlist beinhaltete außerdem „Hey Pete“, „Love You To Death“, sowie natürlich die unvermeidlichen Klassiker „Christian Woman „ und „Black No 1“. Type O Negative lieferten auf dem Sauna Open Air eine intensive, frische und energiegeladene Show. Auch die Moderatorin wurde von Petes impulsiver Laune überrascht, spontan gab es einen dicken Kuss, den vermutlich etliche weibliche Fans im Publikum auch liebend gern entgegen genommen hätten.

Nach dem Auftritt gab es dann für einige glückliche Fans eine Audienz im Band- Container! Autogramme, Fotos und ein paar Bierchen gratis. Danke Jungs für den gelungenen Abend! Das Sauna Open Air in Tampere/ Finnland war wohl eines der schönsten Festivals des Sommers 2007! Kiitos!

15.06.2007 – Berlin, Columbiahalle

Wie heißt es doch so schön! Alle guten Dinge sind Drei! Und in diesem Fall trifft diese Weisheit wirklich zu. Type O Negative beehrten die Landeshauptstadt Berlin mit ihrer Anwesenheit! Wie schon die Woche zuvor waren Down Below als Support- Act mit von der Partie. Sänger Neo- Scope, Gitarrist Carter, Bassist Convex und Drummer Mr. Mahony hatten diesmal leichteres Spiel und konnten das Berliner Publikum mit ihrem eingängigem Sound und griffigen Melodien auf ihre Seite ziehen. Wirklich ein gelungener Auftritt, Down Below werden ihren Weg gehen und bestimmt große Erfolge mit ihrem am 29.06.2007 erscheinenden Major- Debüt „Sinfony 23“ feiern. Im Anschluss kam es dann endlich zu dem heiß ersehnten Feuerwerk aus bittersüßer Schwere und grandios, bombastischer Doom Energie. Type O Negative gehen pünktlich gegen 21 Uhr on Stage. An der Reihenfolge der Setlist wurde festgehalten, also Start mit dem Beatles Cover.

Erstaunlich gut aufgelegt schmettert Peter Steele in die Seiten seines Basses. Er interagierte ständig (was für ihn schon ungewöhnlich ist) mit den Fans, während ab und zu ein kräftiger Schluck aus der Rotweinflasche genommen wurde. Auch die anderen Bandmember liefen zur Höchstform auf, Josh Silver lieferte wieder eine aberwitzige Soloeinlage! Dieser urige Typ ist einfach unschlagbar charismatisch. „Christian Woman“ und „Black No 1“ sorgten auch zum x-ten Mal für Gänsehautschauer. Alle Type O Negative Fans konnten sich glücklich schätzen ein solch phänomenales Konzertereignis miterlebt zu haben.

Type O Negative sorgten in Europa für unvergessliche Momente. Die einzigartige Symbiose aus Herzfeuer und dunklen Seelennöten bleibt ewig erhalten. Frontmann Peter Steele ist und bleibt ein Mann der Extreme, seine komplexe Persönlichkeit unterstrich einmal wieder das Gesamtkunstwerk Type O Negative. Seine apokalyptischen Prophezeiungen, Visionen von Endzeit und unbeschreiblicher Pein werden ihn wohl auf ewig begleiten.

Would you suffer eternally – Or internally?

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Marilyn Manson Tour 2007

Hurricane Festival – Scheeßel – 23.06.07

Im Schlamm stehend, die vorbeiziehenden, teils ungnädigen Gewitterwolken im Blickwinkel beäugte man um kurz nach 23 Uhr nun den selbsternannten „God Of Fuck“, Mr. Reverend Manson auf der „Greenstage“ des Hurricane Festivals. Nach dem Fall des „Schwarzen Vorhangs“ bot die in buntes Licht gehüllte Bühne Raum für die Predigten des Meisters. Mit dem Opener „If I Was Your Vampire“, der auch das aktuelle Album „Eat Me, Drink Me“ eröffnet, startete die Show für Manson Verhältnisse ungewöhnlich ruhig, bevor sich mit dem Anschluss-Song ein altbewährter Sound und Rhythmus in Form von „Disposable Teens“ in die Reihen schlich.

Das durch etliche Wellenbrecher gut aufgeteilte Publikum konnte sich an diesem Samstag einer hundertprozentigen Phase der Trockenheit anschließen, jedoch war die Darbietung „On Stage“ eher dürftig. Zu spät angefangen und zu früh fertig, gesanglich an manchen Stellen erheblich lustlos und instrumententechnisch musikalisch ganz klar rückläufig war dieser Auftritt kein Glanzpunkt. In der Liste der bisher gesehenen Shows dieser Band leider der vorläufige Tiefpunkt, was nicht zuletzt an den ständigen Line-Up Änderungen und Musiker-Rausschmissen liegen dürfte. Neben Manson selbst darf einzig der Schlagzeuger noch seinen Platz besetzen, was eine wirklich traurige Entwicklung ist. Der neue Manson-Live-Sound besteht zumeist nur aus einem dumpfen Dröhnen, welches keine besonderen Instrumenten Parts mehr zum Hörer durchdringen lässt. Obendrein dann noch die scheinbar abgöttische Liebe und Zuneigung zu Gitarrist (und/oder Bassist, musikalischer Kopf, Tonangeber, Dirigent der Band – was auch immer!) Tim Skold lässt den „Noch“-Frontmann seine Anwesenheit erschwert auf den rechten Bühnenrand treiben, um – zu kuscheln!

Setlist-technisch zu wenig altes Material, „Tainted Love“ Live ganz und gar überflüssig und von den sechs Songs des neuen Albums waren einzig „Putting Holes In Happiness“ und „Just A Car Crash Away“ Highlights. Beim vorletzten Streich namens „Beautiful People“ ein Ende in Flitter- und extrem weißem Nebelbombardement, bot einen imposanten Anblick und ließ annehmen, die Show wäre vorbei. Jedoch kam der einstige „Antichrist“, „Mr. Alien GlamRock“, „Grotesque-Burlesque Chief Commander“ (um nicht den Begriff „Schockrocker“ erwähnen zu müssen – grausam!!) nach ein paar kurzen Minuten Umbau- / Aufräumphase mit dem letzten Song des Abends und einem überdimensionalen Stuhl als Dekomittelpunkt zurück. Diesen wohl in Anlehnung an Theater, Schriftstellerei und die Unterdrückung seiner Selbst inszenierten Stuhl erklommen, ging „Are You The Rabbit?“ übers Feld und der Auftritt hatte einen optisch einprägsamen und einzigartigen Abschluss.

Für einen Festivalauftritt und wohl die meisten Zuschauer eine gute, gelungene Show, für Manson-Kenner und Anhänger der ersten Stunde eine ziemlich enttäuschende Geschichte.

Der Trommelwirbel ist in Position und alle Augen und Ohren sind nun auf die Hauptstadt gerichtet!

Zitarock – Berlin – 24.06.07

Weitaus schöneres Wetter und eine umwerfende Kulisse aus vergangenen Jahrhunderten bot an diesem Sonntag unsere Hauptstadt Berlin. Zum „Zitarock“ wurde in den Innenhof der historischen Festungsanlage, umgeben von reichlich Gräben und Wasser geladen. Krieger, Knorkator und Oomph! waren auf der Vorbandliste zu finden, mussten sich aber allesamt recht kurz halten, da offizieller Beginn um 18 Uhr und Manson-Appearance für bereits frühe 21:30 vorgesehen war.

Knorkator

Krieger leider knapp verpasst, stellten Knorkator ihre wie gewohnt von Ironie und Absurditäten gesprenkelte Show zum Besten, schredderten Gemüsevariationen gen Publikum und spielten September 9/11. Blanke Haut, Pyro-Akrobatik und rosa Herrenslips inklusive. Guter Sound, viel Gitarre und Songs wie „Böse“, „Ich hasse Musik“ oder „Weg Nach Unten“ gingen an diesem Frühabend gut über die Bühne, obwohl die Band für meinen Geschmack die Grenzen von Gut & Böse bzw. Komik so manches Mal doch überschreitet.

Oomph!

Die Braunschweiger Gesellen von Oomph! boten hingegen ein weitaus angezogeneres Bild. In Zwangsjacke und schwarze Kleidchen gehüllt, startete die Band mit dem Song „Träumst Du“, der ja bekanntlichen Erfolg beim Raab`schen Bundesvision Songcontest einheimste und sowieso in das mediale Erfolgreichtum der vergangenen Jahre anzuknöpfen ist. Ein runder, voller Sound und die konzentrierte Stimme von Sänger Dero präsentierte die Band in guter Verfassung und ein in dieser Setlist eher seltener, älterer „Hit“ mit Namen „Gekreuzigt“ ließ vergangene Jugendsünden und Erinnerungen an schwarze Parties und viel schlechte Elektro/Goth Musik hochkommen. Oomph! waren und sind hingegen immer eine gehobenere Qualität in all dem Goth-Bereich und so war auch dieser Pre-Manson Auftritt gut gelungen doch leider Gottes viel zu kurz!

Marilyn Manson

Und schon war es wieder soweit, der schwarze Vorhang, die zwei riesigen, blutigen M`s wurden gehisst, die Bühne mysteriös verhüllt. Wie würde dieser Abend wohl verlaufen? Geht es dem Manson heute besser? Was sagt die Setlist? All solche Fragen standen im Raum und wollten beantwortete werden!

Der Vorhang fällt, die Show beginnt! Ein Neustart Richtung Perfektion begann mit „If I Was Your Vampire“ und schon nach den ersten Sekunden war ganz klar zu erkennen – super Sound, viel besser, klarer, lauter und abgestimmter als noch beim Hurricane. Die Mischung aus Erleichterung und guten Mutes zerbrach jedoch ganz plötzlich, als beim Folgesong „Disposable Teens“ der Gesang nur noch zu sehen und kaum mehr zu hören war. Der leichte Mikrofonausfall von Mr. Manson zog sich ärgerlicherweise und nahezu unentschuldbare vier Songs dahin, bis es sich während „mOBSCENE“ wieder der Besserung näherte. Den einzigen Song vom „Golden Age Of Grotesque“ Album zelebriert, schlich sich dieses komische dumpfe Dröhnen wieder pünktlich zu „Sweet Dreams“ ein, und es ist mir immer noch nicht ganz klar, ob dieser ganze Hin & Wieder Soundbrei nun eine künstlerische Komponente oder einfach schlechte Arbeit repräsentieren sollte!? Whatever!

„Putting Holes In Happiness“ ließ diese Spekulationen erst einmal beiseite und galt an diesem Abend als ein Aufatmer. Outfit-technisch schlüpfte Manson in diverse Jacketts und Hüte, Nadelstreifen und Plastik – ganz dem Thema des jeweiligen Songs angepasst. Während dem gerade erwähnten Song erinnerte die Kombination aus Ledermantel und schief aufgesetztem Hut ein wenig an D`Artagnan und Kollegen.

Die offiziell erste Hälfte der Show war nun bereits verstrichen und bisher lag die Deckungsgleichheit zum Vorabend bei gefühlten 90 %! Abgesehen von den Tonschwierigkeiten und der Zurückhaltung im Ausruf von Begrifflichkeiten wie „Motherfucker“, die in Scheeßel schon für Ohrenschmerzen sorgten, glich sich hier ein Ei dem Anderen und Gestiken und Mimiken schienen recht fleißig einstudiert. Weiter in der Setlist dann mit „Rock Is Dead“, der aktuellen Single „Heart-Shaped Glasses“, „Tainted Love“ und „Dope Show“ gelang es der Band nun doch noch und endlich, die erste richtige Gänsehaut des Tages auf den Körper zu zaubern. Mit den ersten Tönen von „Great Big White World“ wurde wieder einmal klar, was für wunderschöne, grandiose Songs diese Band zustande bringen kann und eine leichte Note der Ergriffenheit ließ mich verstummen. Die alten Zeiten sind doch immer die Besten – was kann da noch folgen?

Wie wäre es mit einer Dauerschleife „Deutschlääänd“? Keine Ahnung welchen Sinn und Zweck oder welche Gefühle dieser nach dem ungelogenen neunten Mal in Folge ausgerufene Begriff vermitteln sollte, aber mal ehrlich – das war eindeutig zuviel des Guten, das wirkte nahezu dämlich und geht nun wirklich besser! Aber traditionell war dieser Einstieg zu „Fight Song“ allemal. „Fight, Fight, Fight…“, danach „Beautiful People“ und Nebelgedonner und die Show war vorbei. Kein Stuhl, kein weiterer Song. Für ein Konzert dieser Art und dieses Preises viel zu kurz und unflexibel, Songauswahl identisch dem Vorabend und ziemlich unpersönlich.

Dafür, das die Liebe zu Berlin ja bekanntlich eine große ist, wurde sich hier keineswegs Mühe gegeben, dieses Gefühl von Interesse zu vermitteln. Schade, schade! Auch die zahlreichen Symboliken wie z. B. das Doppelkreuz oder die filmische Hintergrundinszenierung der Show inklusive buntem Tablettenballett auf Leinwand reißt das Ruder nicht mehr rum. Da bleibt nur zu hoffen, dass baldige Besserung und Genesung durch die Glieder fährt, denn es wäre nur allzu schade, diese einstige grandiose Formation dahinschmelzen zu sehen. Dafür liegt noch viel zu viel Potential und Kraft im Meister, die noch belebt werden kann.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, im Zweifel für den Angeklagten – das wird wieder werden, ich bin mir sicher!

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Marilyn Manson „Eat Me, Drink Me“

mm_eat_me`Ich komme zurück um den roten Teppich zu saugen!` So, oder so ähnlich kündigte sich Marilyn Manson noch vor einigen Monaten an. Und mit dieser Aussage sollte er tatsächlich recht behalten – der Meister und Begründer etlicher Schienen im Musikgeschäft ist zurück, um die stellenweise immense Verschmutzung durch unnötige und teilweise gnadenlos überschätzte Emo-Trend-Bands zu beseitigen. Mit dem psychedelischen „If I Was Your Vampire“ wird der sechste Akt der Manson Aufführung eingeläutet um dann mit dem eingängigen „Putting Holes In Happiness“ fortzufahren.

Das bisher ruhigste Album zieht seine Kreise, vorbei die Zeit von Aggression und Trotzigkeit, so scheint es. Fast schon ein Hauch von Mainstream dringt hier und da durch und trotzdem bleibt die Scheibe durchweg kreativ und besonders. Es steckt wie immer mehr dahinter, als wahrzunehmen ist. Wie auch auf den vorangegangenen Alben, kompensiert der Titaltrack alles nur Mögliche und intensiviert Schwermütigkeit, Tragik und Drama. Der pure Tropfen Manson-Elixiers fließt gemächlich über Seele und es ist, als würde sich das Innere öffnen um Teil dieser Reise werden zu können.

Das leise, schleppende Leiden des Biestes, verzerrt Laute von sich gebend, verbirgt sich im Hintergrund von „Eat Me, Drink Me“. Bekannt von Liedern wie „Sweet Dreams“ oder „Antichrist Superstar“ und sogar „mOBSCENE“ trägt ein gewisses Monster in sich, ist dies schon seit langem ein charakteristisches Erkennungsmerkmal. Im Gesamten der 1998 erschienenen Platte „Mechanical Animals“ nicht unähnlich, nur ohne optische Umstrukturierung in Outfit und Message, weisen Songs wie „Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery“ und „You And Me And The Devil Makes 3“ klare Parallelen zu „The Golden Age Of Grotesque“ auf, die durch die typischen Ginger Fish Drum Parts zum Ausdruck kommen. Es fehlt jedoch an Krachern, der einen wütenden, auf den Boden stampfenden Manson zeigt.

Tracks nach dem Schema von „Beautiful People“, „Fight Song“, „Disposable Teens“, „mOBSCENE“ oder „This Is The New Shit“ sind hier einfach nicht zu finden. Auch das Spielen mit der Stimme, das gezielt böse Hörspiel der Stimmbänder, die Hoch- und Tiefpunkte der einzelnen Songs wie es zum Beispiel „The Golden Age Of Grotesque“ ganz klar aufweist, sind dieses Mal bedenklich abhanden gekommen. Der selbst zugegebene Identitätsverlust des Reverend Manson scheint einen Kratzer auf Leib und Seele hinterlassen und sein kreatives Schaffen erheblich beeinflusst zu haben. Manchmal denke ich schweren Herzens an die alte Besetzung inklusive Twiggy Ramirez alias Jeordie White zurück, dessen Abwesenheit leider nach wie vor hörbar ist, denn in Zeiten seiner Mitarbeit entstanden wohl die größten Manson Songs.

Nichtsdestotrotz hat er hier Geschichte geschrieben, ist derzeit mit MM-„Ziehvater“ Trent Reznor samt Kapelle Nine Inch Nails erfolgreich unterwegs und die Neuauflage mit Tim Skold am Bass klingt ausgewogen und qualitativ hochwertig, wenn auch ganz anders. Für eingefleischte und anspruchsvoll gebliebene MM Fans ist es allerdings etwas schwierig, den nicht mehr ganz neuen Neuzugang als zweiten Kopf der Band anzunehmen und es bleibt in jedem Fall zu hoffen, dass Mr. Manson himself das Ruder nicht zu oft aus den Händen gibt. Alles in Allem ist dennoch zu bemerken, dass sich „Eat Me, Drink Me“ als ein Meisterwerk, welches wundervoll melodisch und an Qualität wieder kaum zu übertreffen ist, in das Schock Rocker Drehbuch einfügt. Leute, Freunde, Metalfans und Musikerkollegen – hier gilt es sich eine dicke Scheibe abzuschneiden, kaufen bitte!

8/10

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Pain „Psalms of Extinction“

painDie Elektro/Metal Produktion von und mit Multitalent Peter Tägtgren geht in die fünfte Runde. Ob als unverzichtbarer Produzent im Metalgeschäft, Frontmann der Death Metal Titanen Hypocrisy oder aber mit dem Sideproject PAIN, alles was der Meister anzufassen beginnt, scheint sich wie selbstverständlich in pure Diamanten zu verwandeln! Dieses Workaholic Leben bereichert nun schon seit vielen Jahren die Branche ohne dass ein Verlust an Qualität und Ausdauer spürbar wäre.

Was 1997 mit dem Debütalbum „PAIN“ begann, sich dann im Jahr 2000 mit „Rebirth“ ganz eindeutig steigerte um dann mit „Nothing Remains The Same“ 2002 und schließlich dem 2005er Werk „Dancing With The Dead“ fast die absolute Vollkommenheit zu beinhalteten, wird nun mit der fünften Scheibe dieser Geschichte erweitert. „Psalms Of Extinction“ leistet Großartiges, strotzt nur so vor Energie, Eingängigkeit und Dynamik, verfeinert durch die typischen Melodien und Gänsehaut-Momente.

Einmal mehr wird hier deutlich, wie vielseitig und flexibel Peter Tägtgren sich anzupassen weiß und trotzdem in keinem Augenblick an Originalität und Authentizität verliert. Mit „Zombie Slam“ trifft der Schwede direkt ins Schwarze, den Gesang wieder einmal unverwechselbar `groovy` und verzerrt genial. „Nailed To The Ground“ da ganz ähnlich eingängig, gefolgt von regelrechtem Sternefunkeln a la „Psalms Of Extinction“, „Walking On Glass“, „Bottle`s Nest“ oder „Bitch“. Nicht zu vergessen das Björk Cover „Play Dead“, was nicht besser hätte sein können und den ultimativen Killer-Song „Just Think Again“, der sich für mich durchaus zu einer der bislang größten Balladen ever abzeichnen könnte. Textlich klare, einfache Worte, und dennoch ausdrucksstark ohne Ende. Zur Halbzeit von „Just Think Again“ ein wirklich grandios gefühlvolles Gitarrensolo des COB Kollegen Laiho und ab dafür!

Da geht der Daumen geradewegs nach oben, der Player sieht die nächste Zeit nicht wirklich viel Neues. Mister T. hat den Vogel mal wieder abgeschossen, landet auf der „Liste meiner Lieblingsalben“ ganz weit oben, die Sterne prophezeien gut gefüllte Kassen! Der Hammer!!

10/10

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Type O Negative „Dead Again“

typeonWas lange währt, wird endlich gut. Nach mehr als 3 Jahren Stille liefern Type O Negative ihr 7tes Studioalbum Dead Again ab. Das Quartett aus Brooklyn/ New York überrascht mit neuem Soundgewand, welches facettenreicher nicht daher kommen könnte. Rauh und aggressiv durchbrechen Steele und Co ihre alte selbstzerstörerische und manchmal qualvoll erscheinende Linie der letzten Alben.

Auch ein leichter Punk Einfluss lässt sich nicht leugnen, der definitiv gewöhnungsbedürftig ist. Einzig der Song „September Sun“ schlägt romantische Töne an. Unverwechselbar hingegen ist die gesangsstillistische Bandbreite von Peter Steele, dessen Stimme sich nicht ausdrucksstärker zeigen könnte.

Tatsächlich braucht es ein wenig Zeit sich mit Dead Again anzufreunden, doch es lohnt sich seiner Komplexität Aufmerksamkeit zu schenken. Spätestens nach dem 3ten Durchlauf eröffnet sich ein geradezu grandioses, bombastisches Meisterwerk. Type O Negative melden sich mit Dead Again zurück und sind lebendiger denn je.

9/10

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Wacken Open Air 2006

Das Wacken Open Air Nr. 17 ließ auch vorab wieder deutliche Highlights aufleuchten. Mit der sensationellen, obwohl nur auf einige Konzerte begrenzte Wiedervereinigung der 80er Thrash/Hardcore Band Carnivore, die damals von niemand geringerem gegründet wurde, als von Peter Steele himself, dem Frontmann der Ausnahme Band Type O Negative, war wohl insgeheim der absolute Höhepunkt. Anders als bei Bands wie Children Of Bodom, Six Feet Under, Arch Enemy, In Extremo, Amon Amarth oder Finntroll, die nicht zum ersten mal im Line-Up aufzufinden waren, war es für Carnivore und Peter Steele die Premiere, die Bühne des Wacken Open Airs zu betreten. Bei grandioser Wetterlage standen also wieder die Tore offen, die Meute strömte und es sollte ordentlich gerockt werden, im kleinen Dorf Wacken.

FREITAG

End Of Green

Ein Auftritt aus eigenen Landen boten uns die Schwaben von End Of Green am Freitagmorgen. Die gute Stimmung wurde gleich von Fans und Band mitgebracht, um dann bei Songs wie unter anderem „Dead And Hero“ und „Motor“ zu einem gesunden Maß an Partyfeeling heranzuwachsen. Mit bereits fünf Alben in der Schublade hatten es die Jungs nicht schwer, passendes Setlist Material zusammen zu stellen. Dieser Auftakt – äußerst gelungen.

Wintersun

Noch eine dieser Finnland Bands, die es auf Anhieb in die Herzen der Metalfans geschafft hat, sind wohl Wintersun. Die Combo um Ex-Ensiferum Sänger Järi Mäenpää zog des Mittags etliche Zuhörer/Zuschauer vor die Bühne und begeisterte mit Songs wie „Sleeping Stars“, „Battle Against Time“ oder „Beyond The Dark Sun“. Typisch finnische Melancholy kam allerdings nicht so recht auf, da es bei gefühlten 45 Grad und Sonnenschein eher einem Saunagang ähnelte. Der Weg zwischen schnell schmetterndem Black Metal und traditionellen Folk-Elementen wurde hier erfolgreich beschritten und kam reichlich erfrischend daher. Super Sache diese Finnen!

Ektomorf

Obwohl die Ungarn von Ektomorf zeitgleich gegen Six Feet Under antreten mussten, war der Platz vor der Party Stage um einiges gefüllter als erwartet. Wie bei manch einem Headliner wünschenswert, gaben die Fans so richtig Gas und stampften die Wiese bis zum Nullpunkt. Neben noch unveröffentlichten Songs wie „Outcast“ kamen auch alte Kamellen wie „I Know Them“ oder „Show Me Your Fist“ gut an und ließen kaum Zeit zum Durchatmen. In erster Linie immer noch zu Kollegen wie Soulfly und Sepultura einsortiert zu werden, bleibt wohl auch noch länger bestehen, obwohl sich hier und da bereits erste, deutliche Unterschiede in der Art und Weise von Aggression und Songstruktur feststellen lassen. Der zukünftige Weg der Ungarn um Sänger und Gitarrist Zoltan wird weiterhin aufmerksam verfolgt werden.

Six Feet Under

Den ersten richtig harten Schlag ins Gesicht galt es sich bei den Death Metal Titanen rund um Chris Barnes abzuholen. Six Feet Under bombardierten die Meute gieriger Metalheads mit ihrem Wahnsinns-Sound und einem Lautstärkepegel, der das halbe Bundesland in Aufruhr versetzt haben dürfte. Dass der hier fungierende Frontmann seine stimmlichen Qualitäten nicht für überflüssiges Ansagengequatsche hergibt, sondern diese nur explizit in Songs investiert, ist ja bereits bekannt. Genau nach diesem Schema wurde auch dieses Mal gearbeitet. Setlist gut bestückt („The Day The Dead Walked“, „War Machine“, “TNT” etc.) knallte hier eine monströse Show über`s Gelände.

Nevermore

Die Seattle Gang um Sänger Warrel Dane leistet seit Jahren beeindruckende Arbeit. Stets den Standpunkt vertretend, klischeefrei, konsequent und kreativ ins Rampenlicht zu treten, an der Metal-Leine regelmäßige Hammer-Alben, das scheint ihr Geheimrezept. Von den Sterneköchen wurde trotz anfangs ungewisser Wetterlage, ein passendes WOA-Menü serviert. Hungrige Mäuler vor der True Metal Stage, die Fäuste gen Himmel. Nevermore zeigten ihre Schokoladenseite und wurden von den anwesenden Fans dankend empfangen.

Soilwork

Einen ebenfalls sicheren Weg zwischen Aggression, Härte, Gefühl und Harmonie haben sich die Jungs von Soilwork seit Jahren gebahnt. Der typisch raue Sound kam an diesem Wacken-Freitag wieder ohne Zweifel zum Tragen und auch die Tracks des aktuellen Albums „Stabbing The Drama“ drängelten sich ganz ungeniert nach vorn. Alles schien perfekt abgestimmt und authentisch. Weniger ist manchmal mehr und somit keine überflüssigen Worte – die Schweden haben´s einfach drauf.

In Extremo

Lederschürze, Dudelsack und Trommel. Die einst so vordergründigen Erkennungsmerkmale der Mittelalter Fraktion haben sich in den letzten Jahren ziemlich gewandelt. Natürlich immer noch eine Folk-Rock-Metal Band, sind in der Neuzeit weitmehr Gitarrensounds mit Strom versetzt worden. Die Horde vor der True Metal Stage wächst und wächst, pilgert von allen Seiten zu ihren Burgherren. Die zumindest bis hier her größte Fanansammlung ist zu verzeichnen. Zwischen alt und jung, groß und klein, ein großartiges Set aus Mitreiß-Songs wie „Erdbeermund“, „Mein Rasend Herz“ oder „Vollmond“, umrahmt von Pyroshow – einfach genial.

Carnivore

Die Fleischfresser aus New York City um Sänger Peter Steele wurden schon von etlichen neugierigen Metalfans erwartet, als sie nach Beginn des Sets bereits nach einem Akkord die Bühne verließen. Ein, nach typischer Pete Steele-Manier inszenierter Scherz war ja fast zu erwarten gewesen. Seitens der Band also ein wahrer Triumphzug, die restliche Setlist als von den Fans energisch geforderte Zugabe spielen zu können. Dass sensationell frisch wiedervereinte Quartett fuhr allerdings in einer völlig neuen Besetzung über die Bühne. Mit JoeyZ. von Life Of Agony und Paul Bento an den Gitarren, Steve Tobin an den Drums und dem Peter an der Bassgitarre jagte die Setlist nur so über die Zeit. Nach dem anfänglichen Miniatur-Intro, verliefen die folgenden Tracks ohne weitere Schwierigkeiten. „Carnivore“, „Race War“, „Jack Daniels And Pizza“, danach „Angry Neurotic Catholics“, “Male Supremacy” und “Inner Conflict”. Lange 17 Jahre haben wir warten müssen, um diese visuelle wie auch akustische Hardcore-/Thrash-Metal Interpretation aus der Vergangenheit erleben zu können. Reichlich erfrischend und einfach mal schön zu sehen, dass der große Macher des ultimativen Düstersounds nicht nur die Weichen von Type O Negative zu legen weiß. Klischee muss aber in jedem Fall mit in die Wundertüte, und das wurde gegen Ende der Show in Form von `mit Wasserpistolen bewaffneten Oben-Ohne-Girls` ganz eindeutig sichtbar. Roter Saft und `blut`verschmierte Schlachterschürzen prägten das finale „Sex And Violence“ genauso wie die deutlich begeisterte Crowd. Mal was anderes, super klasse und das nächste Mal bitte eine kürzere Pause.

Children Of Bodom

Allein der Bühnenaufbau war schon ziemlich beeindruckend mitanzusehen, blieb er trotz wirklich grandioser Carnivore Show samt Altmeister Peter Steele immer wieder im Blickwinkel. Die auch schon für die vorangegangene, ausgedehnte Bodom Tour verwendeten Requisiten wie Ölfässer, Autowracks und Scheinwerfer wurden hier noch auf das Doppelte und Dreifache aufgestockt. Größere Bühne heißt mehr Platz, heißt mehr Autos, heißt mehr Spaß?! In diesem Sinne umrahmte eine Wahnsinnskulisse den bereits von Tausenden erwarteten Auftritt der Finnen. Die Hartgesottenen werden sich vielleicht noch an die Show von 2004 erinnern, die immerhin einen Rekord an Stagedivern aufgestellt hatte. Eine erstklassige Neuauflage dieses fast schon legendären Auftritts konnte hier also erwartet werden. Mit dem aktuellen Album „Are You Dead Yet?“ im Gepäck, welches die Fünf schon querbeet durch sämtliche Kontinente getragen hatten, feuerten sie eine tempogeladene, professionelle Performance von der True Metal Stage. Das rein optische Bild dieses Abends ließ den Eindruck aufkommen, auf der Bühne sei das wahre Höllenfeuer ausgebrochen – Lightshow und reichlich Qualm und Rauch gaben dafür allen Anschein. Musikalisch ging es wieder durch alle Epochen und Songs wie „Sixpounder“, „Downfall“, „In Your Face“, „Needled 24/7“, „Are You Dead Yet“ etc. etc. brachten das Publikum zum Brodeln. Ein an diesem Abend besonders redefreudig aufgelegter Alexi Laiho führte durch die Stunde und überhaupt hatten sich die Finnen mit einer kurzen Verschnaufpause nach der langen Tour sichtlich gut erholt und schwächelten keineswegs. In jedem Fall einer DER Auftritte des WOA`s 2007!

Celtic Frost

Die düstere, schleppende Stunde des Abends wissen die Schweizer von Celtic Frost zu füllen, wie kaum eine andere Band. Inmitten schwarzer Nachtwolken dröhnt es über die Wiesen von Heavy-Metal-Town. Erbarmungslos und stillschweigend werden Hymnen wie „Into The Crypts Of Rays“, „Dethroned Emperor“, „Circle Of The Tyrants” und neues Material wie z. B. „Synagogae Satanas“ aufgesogen. Auf der Bühne ist ansagentechnisch nicht so viel los, dafür geben Lightshow und Charisma ihr übriges! Ein absoluter Höhepunkt 2007!

Ministry

Huch! Nr. 1: Habe ich richtig gelesen? Ministry in Wacken?? Huch! Nr. 2 gab`s dann gleich zu Beginn der Show, denn diese Lautstärke war ziemlich schmerzhaft und ebenso bedenklich. Ein wenig Abstand zur Bühne ergab dann auch gleich ein viel besseres, ausdrucksstärkeres Gesamtbild. Die Bühne in intensives Rotlicht getaucht, schmetterte eine Performance voller Industrial/Metal/Elektro-Sequenzen, die hier wohl Geschichte geschrieben hat, vom Podium. Mit dem aktuellen Album „Rio Grande Blood“ und etlichen Klassikern am Start, wüteten die als anspruchsvoll, exzentrisch, politisch kritisch, extravagant und außer der Reihe/frei von allen Regeln-Band durch die Gemeinde Wacken. Der Hammer, einfach Kult – und trotzdem zu laut!

Amon Amarth

Viking-Death as it`s best schloss den großartigen Freitagabend ehrwürdig ab. Keine geringere Band als die knallharten Schwedenjungs von Amon Amarth luden zum Singalong und Schwertertanz. Ein leichtes Schmunzeln kann ich mir einfach nicht verkneifen, tritt DER Wikinger, namens Johan Hegg vor die feiernde Menge. Schier unglaublich, wie authentisch, kaltblütig und niedlich zugleich der Frontmann seinen Posten perfekt besetzt. Die Skandinavier donnern ihre Hits über die Felder und lassen die Haare (wie immer synchron!) kreisen. „The Fate Of Norns“, „An Ancient Sign Of Coming Storm“ oder die ultimative Hymne “Death In Fire”, während der die fünf Mannen von Feuersäulen umgeben die Crowd begeistern, alle Hits sind vertreten und machen richtig Laune. Zur Halbzeit für die Musiker eine kurze Verschnaufpause, zwei Gruppen Wikinger-Krieger mit Schild und Schwert „kämpfen“ die Show zu einer runden, exzellenten Sache und werden vom Publikum lautstark unterstützt. Die Wikinger-Death-Metal-Liveshow hat es immer wieder in sich. Genial, danke, und gut` Nacht!

SAMSTAG

Der durchweg unbeständige Wetterzustand vom Freitag setzte sich wie erwartet auch am Samstagmorgen fort. Leichter Nieselregen reichte sich an diesem Tag des Öfteren mit etappenweise extremen Hitzewellen die Hand. Nach dem unglaublich gehaltvollen Line-Up des Vortages, standen an diesem letzten Festivaltag noch Highlights in Form von Emperor, Motörhead, Fear Factory oder Finntroll auf dem Plan.

Arch Enemy

Nach einer durchtanzten Nacht die müden Knochen wieder in Schwung zu bringen, schreit nach einer Soundbeschallung durch Arch Enemy. Eine rasende, wütende Frau namens Angela Gossow schreit es einfach raus. Der Opener „Nemesis“ lässt die Erde beben und schüttelt den letzten Rest Müdigkeit aus den Köpfen. Von der Mittagssonne gewärmt und geblendet feiern die Metalheads den Melodic Death Metal Act.

Fear Factory

In Zeiten von Emo Bands und unendlichen Nu Metal Sprösslingen gehen die Jungs von Fear Factory gut und gerne als alte Hasen über`s Parkett. Dicht gedrängt und schweißgebadet gröhlte sich die Crowd warm und kam während der Show in absolute Partystimmung. Die bekannte Mischung aus Industrial, Death und Thrash war zu dieser Stunde genau die richtige Würze um das Publikum bei Laune und Bewusstsein zu halten. Harte Riffs und derbe Sounds, gepaart mit Melodie und Eingängigkeit der feinsten Sorte taten ihr übriges. Also merken wir uns: Sind sie zu stark, bist du zu schwach!

Morbid Angel

Den wohl vollkommensten Lederdress inklusive rotem Gummi-Pentagramm bot uns der Morbid Angel Fronter David Vincent alias Mr. „Leathershorts“! Zu dieser Stunde nicht nur vom Sonnenschein geblendet, freuten sich die erbarmungslos schwitzenden Fans auf eine üppige Portion reichhaltigen Death Metals. Mit dem früheren Sänger und Bassisten wiedervereint, galt es die Black Stage zu flambieren. „Immortal Rites“, „Where The Slime Lives“, „Pain Divine“, „Maze Of Torment” oder “God Of Emptiness” wurden mit grimmigem Blick und mächtig Hitze regelrecht zelebriert. Wunderhübsch!

Soulfly

Der gute alte Max Cavalera gilt seit Sepultura-Zeiten als einer DER prägenden Köpfe im `harten` Musikgeschäft. Viel Zeit, viele Alben und viele Hymnen, die mit Sicherheit eine ganze Generation beeinflusst und begleitet haben später, steht er mit Soulfly auf den Bühnen dieser Welt und begeistert nach wie vor die Massen. Hier in Wacken ergoss sich der Regen aus Hits wie „Prophecy“, „Fire“, „Seek `n` Strike“ und natürlich dem Sepultura Kracher „Roots Bloody Roots“ über die Häupter der Besucher. Diese kräftige Dusche tat wirklich gut, es wurde ge`tanzt` und gepogt, das macht Appetit auf mehr!

Emperor

Feierliche, blaublütig angehauchte Atmosphäre brachte die Anwesenheit der kaiserlichen Formation Emperor mit sich. Eine weitere Wiedervereinigung die es in sich hatte krönte ein jedes Black Metal Herz. Bis weit über`s Gelände erstrecken sich die gespannten Augen und überall ragten die Hände gen Himmel. Ein wahrlich eindrucksvoller Moment begleitete dieses vor Komplexität nur so strotzende Set. Dass Emperor mit keiner weiteren Band dieser Sparte zu vergleichen sind, steht ja bekanntlich außer Frage. Mit Ihren legendären Werken „In The Nightside Eclipse“, „Anthems To The Welkin` At Dust” oder aber “IX Equilibrium” stehen sie nach wie vor ganz weit oben. Für die zahlreichen Fans ein absoluter Höhepunkt, der in Nummern wie „Inno A Satana“ wohl seine absolute Vollendung fand!

Motörhead

Unser Lemmy wie wir ihn kennen und lieben gehört beinahe schon zu jeder erdenklichern Festival-Variante dazu und gibt dem oft bedenklich aufgedrehten Publikum eine Gelegenheit zum Durchatmen und Zurücklehnen. Der gewohnt lässige Gang durch Rock `n` Roll passt immer wieder gut und die Ansammlung hungriger Metalfreaks vor der True Metal Stage sprechen da für sich. Ohne große Worte wird die heilige Wiese gerockt und die Menge zum Kopfnicken angestiftet. Die Setlist an diesem Abend verblüffend abwechslungsreich, so kommt den Fans unter anderem „Metropolis“ oder „Born To Lose“ zu Ohren.

Finntroll

Die Band, die ihrem Namen alle Ehre macht und grundsätzlich im folkloristischen Outfit durch die Medien streift, wurde mit ganz besonderer Neugier begutachtet. Mit dem neu besetzten Sänger Posten waren die Erwartungen des Publikums bereits vorab ziemlich groß und nicht jeder Fan schien diese Umstellung zu gefallen. Nichtsdestotrotz wurde in den Reihen ordentlich gefeiert und gemosht, Crowdsurfer zogen über die Köpfe und die Security kam dabei regelrecht ins Schwitzen. Schwerstarbeit auf beiden Seiten und mittendrin eine gut bestückte Setlist inklusive „Trollhammaren“, „Hemkomst“ oder „Jaktens Tid“. Ein heiterer Abschluss für 2006 und damit `Auf Wiedersehen und gute Heimreise!`

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Wacken Open Air 2005

Schlamm, Schlamm und wieder Schlamm. Nach dem Unwetter Erlebnis von 2002 begleitete dieses mal eine regelrechte Schlamm- und Matschmutation die Festivalaktivitäten. Hochgekrempelte Bundihosen, wetterfeste Stiefel und wasserabweisende Kopf- und Körperbedeckungen, aber auch die ein oder anderen Barfußgänger prägten das allgemeine Erscheinungsbild. Einzig der Donnerstag ließ noch Sommerfeeling und Trockenheit aufbringen, bevor sich die Folgetage von feuchtem Nass geschlagen geben mussten, was des Nachts zu einer unglaublich unangenehmen Kälte und klappernden Gerippen führte.

Aber das kann ein Metalherz ja nicht erschüttern!

DONNERSTAG

Candlemass

Ein für dieses WOA eher selteneres Bild durften Candlemass am Donnerstagabend erblicken: Sonnenschein und Trockenheit, gepaart mit jeder Menge Metallern, angereist aus aller Welt. Die Stunde feinsten Doom Metals war eingeleutet und die Freude schien allgemein recht groß, endlich wieder Candlemass in der einzig wahren Besetzung mit Messiah auf der Bühne begrüßen zu dürfen. Als Opener gleich mit dem neuen Album „Black Dwarf“ begonnen, zog auch die übrige Setlist ein gewaltiges Monster Of Doom hinter sich her. Eine derweil schwingende, schaukelnde Mönchskutte des Frontmonsters gab dem Ganzen noch das nötige etwas. Einen besseren Auftakt hätte es bald nicht geben können!

Oomph!

Vielen im ersten Moment vielleicht nicht ganz bewusst, dass Oomph! bereits seit 1989 ihren Weg durch die harten Klänge des Industrial-, Hardcore- und Metalgenres gehen, wurde doch mit diesem Konzert eine hammerstarke Stunde geboten. Das Publikum anfangs nicht so richtig überzeugt, wurde aber mit zunehmender Dunkelheit immer aufgeweckter. Die optisch eher kühle Ausstrahlung der Band, wirkte in Zusammenspiel mit Sound und Songs aber absolut überzeugend. Das niedersächsische Trio weiß ganz genau, was dem Publikum die Schuhe auszieht – düstere, bleischwere Metalklänge wirken einfach betäubend und lassen alles stillschweigend Aufhorchen. Eine Wahnsinnskraft dröhnte von der True Metal Stage – klasse Konzert.

Nightwish

Das Vergnügen, den ersten Festivaltag zu beenden, hatte dieses Jahr die finnische Erfolgskombo Nightwish, die sich selbst aber anscheinend als so liveerprobt und routiniert empfanden, dass dieser Gig für meine Begriffe leider voll und ganz daneben ging. Allen voran Frontfrau Tarja Turunen schien nicht ganz echt und aufgesetzt und selbst die gesangliche Darbietung beinhaltete auch schon eine höhere Qualität. Sorry – aber das war nix!

FREITAG

Mercenary

Freitagfrüh, Party Stage. Das scheinbar ewig bleibende, seit Jahren hartnäckige Problem der Soundüberschneidung zwischen Black – / Party Stage war auch bei den Dänen von Mercenary wieder zu bewundern. Ziemlich ärgerlich, aber trotzdem lieferten die Jungs eine gute Show ab, unter anderem Songs von den bisherigen Alben „Supremacy“, „Everblack“ und des neuen Longplayers „11 Dreams“ waren zu hören. Einzig die tieferen Töne der Songs kamen nicht ganz durch und auch der Gesang hätte ein wenig mehr an „Tiefe“ und Intensität vertragen. Dennoch gut gemeistert.

Morgana Lefay

Schwedischer Power Metal stand nun in Form von Morgana Lefay auf dem Programm. Leichter Nieselregen begleitete dieses zur guten Mittagszeit aufgefahrene Set aus Hits wie “Hollow“, „Maneficium“, „The Source Of Pain“ oder aber die aus vielen Hälsern eifrig mitgesungene Lefay-Hymne „The Boon He Gives“. Ein in allen Bereichen recht erfrischender, gelungener Auftritt.

Edguy

Wenn es eine Band vermag, aus der altbekannten, seit Jahrzehnten bestehenden Bezeichnung `Heavy Metal` eine kleine Abweichung in`s Leben zu rufen, dann mögen es wohl die Jungs von Edguy sein. Bei einer Show wie dieser, landet man doch ziemlich schnell, zumindest in Gedanken, bei dem Begriff `Happy Metal`. Frontmann Tobias Sammet scheint einfach irgendwie verrückt und ich glaube, er kann einfach nix dafür. Und ist es doch letzten Endes genau diese Mischung aus Wahnsinn und Fröhlichkeit, die dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit und ungeheuren Spaß verleiht. Zudem stellte sich besonders dieser Auftritt von Edguy noch einem zusätzlichen Problem entgegen: Strömender Regen, der niemals wieder aufzuhören schien, trieb einerseits die Metalheads zu waghalsigen Schlammakrobatiken und Rutschpartien, andererseits trieb das Wetter den eh schon wilden Tobias zu Höchstleistungen. Ziemlich gut gelaufen.

Within Temptation

Für mich gäbe es absolut keine Schwierigkeiten, müsste ich mich zwischen Nightwish und Within Temptation entscheiden, gehe diese Diskussion doch eindeutig zugunsten letzterer aus. Eingerahmt von einer Kulisse, bestehend aus Engelsstatuen und einer Grabstättenoptik fiel das Hauptaugenmerk jedoch wie erwartet auf Sängerin Sharon den Adel, die wie gehabt in feinstem Zwirn die Bühne betrat. Die Songauswahl war ebenfalls vortrefflich, ein Hit nach dem nächsten berauschte die Menge und überzeugte meine Ohren zu hundert Prozent. Kaum zu glauben, dass dies für die Holländer der erste Auftritt in Wacken war. Genial!

Machine Head

Definitiv eine der am meisten erwarteten Bands waren wohl Machine Head, die mit ihrem Spitzenauftritt die gesamte Fanbase ordentlich abfeiern ließ! Extra aus Amerika eingeflogen, bewiesen Robb Flynn und Co., dass die Ära des Metal noch lange nicht ihrem Ende entgegen blickt, und es noch endloses Potential für weitere Jahre gibt. In diesem Zusammenhang und in Anbetracht der Geräuschkulisse zwar ein eher merkwürdiger Zustand, konnte es der Frontmann aber einfach nicht lassen, sich beim anwesenden Publikum mehrfach, fast schon zwingend, zu bedanken. Immer und immer wieder ließ er seinen Gefühlen freien Lauf und krönte die Masse zu seinen Lieblingen. Ja, was waren wir alle begeistert von diesen Jungs aus Übersee. Herrlich war auch, die alten und neuen Klassiker, und trotzdem vorwiegend Material vom Hammeralbum „Burn My Eyes“ zu hören.

Stratovarius (Special Surprise Act)

Juhu, endlich Power Metal. Man, was haben wir uns gefreut, als wir den Bandnamen `Stratovarius` auf einem vor uns herlaufenden Wacken-2005 Shirt lasen! Und genau da war er entlarvt, der Special Surprise Act. Zwar gönnte man ihnen nur winzige 20 Minuten, die dementsprechend nur für 3 Songs ausreichten, und trotzdem rockten und trällerten sich die Songs ganz schnell in die anwesenden Körper und Ohren. „Maniac Dance“ sollte sogar noch Wochen später unsere Gemüter erfreuen. Viele der auf Apocalyptica wartenden Fans schienen zwar leicht irritiert, und der Funke `Power` sprang wohl nicht auf jeden über, aber ganz tief im Herzen drin, da haben wir doch alle mitgefeiert. Diese Finnen sorgen einfach für Stimmung, da kann man sagen, was man will und da komme was wolle!

Apocalyptica

Die große Stunde von Apocalyptica ist für nicht allzu wenige Fans in Zeiten des rein Cello bestückten Sounds gewesen und somit der Umschwung zu den Drums ein Thema, mit dem es sich auseinander zu setzten gilt. Gelegenheit für eine Hörprobe gab es dann am späten Abend. Gespickt mit mächtig Qualm und Nebel, spielten sich Eicca und Co. die Finger wund und bewiesen ein weiteres mal schier unglaubliches Talent an den Instrumenten. Die wohl in aller Welt bekannten Metallica Songs kommen natürlich nach wie vor ohne Gesang aus, übernimmt diesen Part doch schon seit Jahren das ewig treue Publikum. Für meine Begriffe leben manche Bands einfach besser mit kleingehaltenem Arrangement, das Verzichten auf Schlagzeug wäre hier eine Wiederholung wert.

Samael

Ein Glück, wenigstens Samael nahmen die verdiente, nächtliche Spielposition ein und wussten auch genau, was es der wartenden, frierenden Menge zu geben galt. Mit ihrem unverwechselbaren Düstersound und der energetischen Intensität ihrer Songs zog eine Welle aktuell gebliebener Metalgeschichte über die Crowd. Zweifellos ein Höhepunkt dieses Tages und in Eindruck kaum zu übertreffen. Setlist-technisch war reichlich Abwechslung vorhanden, nur ein leichtes Überwiegen des aktuellen Albums „Reign Of Light“ war zu spüren. Daraus brillierten Songs wie „On Earth“ oder „Inch Allah“. Die teilweise im Schlamm eingesunkene Horde Metaller streckte dem Wetter die Fäuste entgegen und genoss den schweren Donner, der sich von der Bühne aus über die Landen erstreckte.

SAMSTAG

Holy Moses

Seit den Achtzigern aus Thrash Gefilden nicht mehr wegzudenken, schmetterten Holy Moses, ganz besonders Frontröhre Sabina Classen, ein Set der Extraklasse von der Bühne. „World Chaos“, „New Machine Of Lichtenstein“, „Live Destroyer“, um nur einige der dargebotenen Songs aufzulisten, brachten Stimmung und das Erstaunen über dieses Mega-Organ der zarten Sabina hört wohl niemals auf. Respekt! Krönung der Show war eindeutig der spontane Gastauftritt von dem von unser aller heißgeliebtem Onkel Tom Angelripper. Somit versammelten sich gleich zwei Urgesteine der Szene und die Party wurde ehrwürdig abgeschlossen.

Marduk

Zumindest dem Namen `Black Stage` wurde zu dieser Stunde alle Ehre bereitet. Mit der Black Metal Fraktion um und mit den geschminkten Gesellen von Marduk wurden allerdings so einige Fans enttäuscht. Viele schienen es wohl gar nicht erst für nötig, dieser Performance eine Sekunde Aufmerksamkeit zu widmen, und so war es dann auch wirklich – ziemlich langweilig. Ob es an der grellen Tageszeit lag, oder aber an dem fehlenden Etwas beantwortet sich besser jeder selbst. Mittendrin dann noch ein heftiger Regenschauer, und die Depression war perfekt.

Finntroll

Nach der Marduk Enttäuschung auf der Black Stage stand ein schwieriges, zähes `durch den Schlamm stapfen` zur schräg gegenüber gelegenen Party Stage an, um den dort präsentierten finnischen Trollklängen zu lauschen. Hummpa-Inferno und den festen Untergrund schon längst unter den Füßen verloren, feierte eine passable, aneinander gequetschte Menge die nordischen Mannen. Zu dem Partykracher „Trollhammaren“ oder „Jaktens Tid“ wurde gemoshed was das Zeug hielt, die Stimmung superklasse, ganz anders als noch die Kollegen vor der Black Stage. Der Marsch durch Schlamm und Stroh hatte sich definitiv gelohnt.

Hammerfall

Zwischendurch ein wenig Power Metal kann ja nie schaden um depressive Gemüter aufzurütteln. Und so begab es sich zu einer Zeit, in der das Phänomen Hammerfall die Bühne dieses Festes erklomm und eine sympathische Präsentation feinster Melodien ablieferte. Die Schweden gaben sich die Ehre und es schallte die gewohnte Leichtigkeit des Seins zu den Fans, soll heißen – gut war`s! Gutgelaunt und mit reichlich Rock im Blut, wurde gefeiert und Hits wie „Renegade“, „Hammerfall“, „Blood Bound“ oder „Hammer Of Justice“ wurden von den Fans bis zur Erschöpfung abgefeiert.

Kreator

Tatort: Black Stage! Nach dem Verschwinden der Sonne hinter`m Horizont umgab leuchtend bunter Nebel die Bühne und Kreator kamen hervor. Mit seiner charismatischen Stimme begrüßte Mille Petrozza die Wacken-Anhängerschaft, die es durch lautstarkes Getöse dankte. Natürlich durfte an diesem Abend wieder mit den sagenumwobenen Thrash Meilensteinen gerechnet werden, sei es das hymnenartige „Phobia“ oder Kulthits a la „Pleasure To Kill“ und „Extrem Aggression“. Die vor dem Mikro immer leicht gebeugte Haltung des Frontmanns war bereits aus weiter Ferne schnell zu identifizieren und es macht einfach Spaß, den Großmeistern des Thrash Metals zu lauschen. Die nötige Erfahrung, eine Crowd wie die in Wacken zu begeistern, besitzt die Kombo in jeden Fall, und dass war auch an diesem Abend wieder deutlich spürbar.

Sentenced

Ein grundsätzlich eher trauriger Anlass ließ die Fans des Nachts vor die Black Stage pilgern. Die in unseren Landen letzte Sentenced Show war zudem schon durch etliche Hin- und Herverschiebungen im Zeitplan geprägt und sorgte bei manchen Fans nicht gerade für Begeisterung. Die Show an sich war in Ordnung, aber das bestmögliche wurde leider nicht ausgepackt. Ganz besonders Mr. Laihiala, seines Zeichens Sänger dieser Band, hätte sich wirklich mal zusammenreißen können und irgendwie auch müssen! Wieviel Promille ihn nun letztendlich vom nötigen und verdienten Respekt gegenüber den Tausenden, teils ja doch gezeichneten Fans abhielten, bleibt wohl ein Rätsel. Klar war`s gut, und schade ist natürlich auch das Ende, aber gewünscht hätte man sich deutlich mehr und hier und da bleibt sicher eine Spur der Enttäuschung zurück.

Onkel Tom

Wie auch schon in vielen vorausgegangenen Festivaljahren, lag der finale Auftritt bei Stimmungskanone Onkel Tom Angelripper. Schon gegen Ende der Sputniks Show, die hier und da für leicht zweifelnde Gesichter sorgte, da in den allgemeinen Metalkreisen eher unbekannt, betrat der Onkel die Bühne und steuerte seine raue Stimme hinzu, bevor es dann in das altbewährte Set überging. Mit tatkräftiger Unterstützung der Firefighters, gingen die traditionellen Trinklieder über die Bühne. Im Gegenzug zum Tom`schen Gastauftritt bei Holy Moses, gab sich auch deren Frontfrau Sabina die Ehre und frischte den letzten Auftritt des 16ten Wacken Open Airs zur Aufmunterung des Publikums auf. Ein wie gewohnt heiterer Abschluss.

FAZIT

Und da war es auch schon wieder vorbei! Das größte Heavy Metal Festival der Welt brachte erneut tausende Besucher und etliche Dorfbewohner in Feierlaune. Das schlammige Wetter konnte der guten Laune keinen Wind aus den Segeln nehmen und es wurde eine riesige Party aus Haare schütteln und Flüssigkeitsaufnahme auf dem Festivalgelände sowie in den Zeltstädten inszeniert. Auch nach 15 Jahren geht den Wacken Veranstaltern nicht die Puste aus, stetiger Bandzuwachs und auch Verbesserungen in Ablauf und Organisation sind zu verzeichnen. Die nächsten Jahre können also gespannt erwartete werden.

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