Children Of Bodom – Live in Hamburg

Die Ansprüche an diesen Abend waren schon ziemlich hoch. Nach intensiver Analyse des aktuellsten COB Albums „Relentless Reckless Forever“ musste die Liveumsetzung wirklich überragend werden. Eine der Vorbands der Tour waren Ensiferum, eine ganz ordentliche Wahl, fanden wir die Kombination mit Cannibal Corpse zwar interessant, nicht aber grandios. Am feinsten sind die Musikerkombis ja eh in Amerika, was oftmals Falten auf die Stirn treibt.

Ensiferum also ein guter Einstieg in den finnischen Abend…wäre es nicht sowas von viel zu laut gewesen. Schmerzen im Gehörgang, nicht mehr lustig und ernsthaft einfach nur ätzend. Wenn man am Ende nur noch immens übertriebenen Krach wahrnimmt, keinen einzelnen Ton mehr zuordnen kann und sich die Freude auf die Hauptband mehr und mehr verflüchtigt, ist da irgendetwas ziemlich schlecht organisiert worden. Ging einfach gar nicht.

Die Band um Petri zwar gut drauf und die Umsetzung der Songs auch recht vernünftig, bringt es einem aber einfach nix, wenn man die Lieder letztlich nur erkennt, weil man genau weiß wie sie laufen. Echt schade und verdammt ärgerlich. Ein wenig Spaß brachten dann aber doch solche Momente wie „Dö dödeldö, Dö dödeldö“ – gesungen im einstimmigen Fanchor, vorne stehend der grinsende Petri L. Also in der Präsentation war alles gut, technische Einstellungen glatte 5.

So. Stimmungsmäßig ziemlich vorbelastet ging es dann zum Hauptgang. Children Of Bodom, das nun irgendwie gefühlte 43ste Mal Live On Stage….davon so einige Shows richtige Kracher, das letzte hier in Hamburg erlebte mit das genialste überhaupt – schwer zu toppen, mal sehen wie es läuft. Und ja, der Sound. Mist. Ärgerlich. Komische Typen da hinterm Mischpult merken anscheinend nichts, prima. Dekoration auf der Bühne so in Düsterwald-Twilight-Atmosphäre, Reaper Ro(nn)y im Hintergrund wild am Fuchteln, Laubharken für die nötige Ordnung. Zum Start der Show sehr schöne Lichtsequenzen in grün und lila, wirkt stimmig und passt zur Band.

“Not My Funeral”, “Bodom Beach Terror”, “Hate Me!”, “In Your Face”, “Angels Don´t Kill”, “Children Of Bodom”, “Shovel Knockout”, “Roadtrip To Hell And Back”, “Ugly”, “Living Dead Beat”, “Blooddrunk”…“Was It Worth It?”, “Follow The Reaper”, “Downfall” und “Hate Crew Deathroll”. Das müsste es so in etwa gewesen sein. Gute Mischung, gut gespielt und dennoch fehlte an diesem Abend so einiges. Vielleicht waren die Jungs nicht so richtig in Stimmung, noch niedergeschlagen von der Reaktorkatastrophe in Japan oder vielleicht auch selber genervt von der miesen Soundsteuerung?? Schwierig. Sie haben ihre Sache schon gut gemacht, das musikalische Können präsentieren sie immer wieder konsequent und trotzdem kann so ein Abend eher mäßig ausfallen.

In jeder Hinsicht gar kein Vergleich zur Hamburg Show von 2009, da war alles perfekt und viel zu schnell wieder vorbei. Auf “Was It Worth It?” habe ich mich persönlich sehr gefreut, Hammersong wie ich finde, und was ich immer wieder feststelle und schon etwas ulkig finde ist, dass sich “Hate Crew Deathroll” jedes Mal wieder als DER SONG überhaupt präsentiert. Kein anderer funktioniert so genial, bringt Gänsehaut und das immer wieder und wieder. Dieses besondere Highlight kam zum Schluss und war an diesem Dienstagabend perfekt. Vielen Dank!

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Seventh Void „Heaven Is Gone“

seventhvoid2010_coDie Type O Negative Member Kenny Hickey und Johnny Kelly haben sich bereits vor einigen Jahren ihrem Project Seventh Void gewidmet. Zusammen mit ihren Kumpels Matt Brown (Guitar) und Hank Hell (Bass) wollten sie schon damals neue Pfade einschlagen und sich musikalisch in Richtung ihrer Favoriten Zeppelin, Sabbath und AC/DC bewegen.

Natürlich war Type O Negative immer das alles überragende Flagschiff, und so wurde Seventh Void vorerst ein wenig hinten an gestellt. Nachdem Peter Steele sich immer mehr den neu formierten Carnivore widmete, nutzen Johnny und Kenny die Zeit und schufen das Debütwerk „Heaven Is Gone“, das bei uns dieser Tage via Napalm Records veröffentlicht wird. Die vermeintlich `neue` Formation dürfte unter Type O Anhängern also längst kein Geheimnis mehr sein.

Die Jungs aus dem Herzen Brooklyns präsentieren uns straighten Metal, der tief doomig atmet und mit tonnenschweren Riffs punktet, ohne sich dabei zu stark an Type O Negative zu orientieren. Die Songs wirken anmutig, kantig und lassen Kenny, in der Doppelrolle als Frontmann und Gitarrist, wunderbar zur Geltung kommen.

Seine eindringlichen Vocals lassen Songs wie „Closing In“, „Broken Sky“ und „Shadow On Me“ zu mächtigen Doom Walzen heranwachsen, die frei von sinnlosen Schnörkeln daherkommen. Es regnet Sünde, Qual und Feuer in seiner ursprünglichsten Form, und die hypnotischen Riffs konzentrieren sich immer auf das Wesentliche. Die Produktion ist, wie es nicht anders zu erwarten war, erstklassig und entfaltet mit druckvollem Sound eine unheimlich düstere Wirkung.

Seventh Void ruhen sich nicht auf alten Lorbeeren aus, halten die Vergangenheit in allen Ehren und machen sich auf zu neuen Ufern. Der unvergleichlich trotzige Charakter Brooklyns lebt, und wird nicht nur Type O Jünger mit sich reißen!

8/10

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Monster Magnet „Mastermind“

monstermagnet_coThe Spacelord is back! Mit voller Wucht und in ganzer Pracht! Monster Magnet hauen uns ihr aktuelles 8.tes Werk „Mastermind“ um die Ohren und treffen damit voll ins Schwarze. Besser als Herr Wyndorf selbst kann man es kaum ausdrücken: Welcome to the grant adventure!

Spätestens mit ihrem Wahnsinnsong „Spacelord“ haben sich Monster Magnet als treibende Kraft der Rockszene etabliert und stehen für Rock `n Roll Deluxe. Der legendäre Frontmann Dave Wyndorf hat sich auch nach etlichen Exzessen nicht wirklich unterkriegen lassen, und ist wohl so manches Mal mit einem blauen Auge davon gekommen, glücklicherweise.

Die neuen Songs stecken voll großer Riffs und mörderischer Grooves, setzen auf eindrucksvolle Strukturen und lassen garantiert keine Wünsche offen. „Hallucination Bomb“, „Bored With Sorcery“, „Dig That Hole“ und „The Titan Who Cried Like A Baby“ präsentieren Monster Magnet in alter Stärke, sind unschlagbar in Authentizität und Spannung.

Die hammermäßige Gesangsleistung von Mr. Wyndorf, in seiner glasklaren und gewaltigen Wucht, setzt dem Ganzen die Krone auf und verbreitet ein irres Feeling.„Mastermind“ ist ein Rundumschlag, wirkt gerade durch seine irre Verschrobenheit absolut glaubwürdig und macht mächtig Spass. Ein herrlich höllischer Trip durchs Monster Magnet Universum!

9/10

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Ihsahn „After“

Nach nur kurzer Schaffenspause legt Vegard Sverre Tveitan, der hauptsächlich als Sänger, Komponist, Bassist, Keyboarder und Gitarrist der legendären Black Metal Combo Emperor Bekanntheit erlangte, mit „After“ seine mittlerweile dritte Soloscheibe vor.

Wieder geht es mächtig experimentierfreudig und selbstsicher ans Werk, wobei das Augenmerk auf den vielen kleinen Passagen liegt, welche mit enormen Fingerspitzengefühl aufwarten können. Die außergewöhnlich vielschichtigen Melodiebögen passen sich hervorragend in das monströs ausufernde Grundgerüst ein.

Bereits der Opener „The Barren Lands“ steht unumstößlich im Raum und steht am Anfang einer doch ungewöhnlich anmutenden Klanglandschaft. „A Grave Inversed“, der Titeltrack “After” und das förmlich hinreißende „Frozen Lakes On Mars“ brechen auf zu neuen Ufern und bieten eine völlig neue Sichtweise. Mit „Undercurrent“ beweist Ihsahn Mut zu leiseren Tönen und schwelgt gänzlich in verletzlicher Hingabe, bevor die Black Metal Anleihen dann wieder zum Vorschein kommen.

Auch „Austere“, „Heavens Black Sea“ und „On The Shores“ lehren den Hörer das Fürchten und wissen auf eindringliche Art zu überzeugen. Ihsahn entfesselt auf „After“ ein melancholisch episches Gemälde, voll avantgardistischer Ansätze und unheilvollen Soundmonstern.

9/10

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Wacken Open Air 2010

Wacken 2010! Ausverkauft und das zu Recht. Dem größten Heavy Metal Festival weltweit kann einfach nicht das Wasser gereicht werden, so ausgeklügelt und umfangreich ziehen die Veranstalter dieses Event auf. Ein weiteres Mal waren wir begeistert und berichten hier nun zum offiziell vierten Mal über die Geschehnisse vor Ort.

DONNERSTAG

ALICE COOPER

Alice Cooper, ein Mann der seit den 70er Jahren für reichlich Furore sorgt. Das Wacken Open Air konnte sich wirklich rühmen, diesen Großmeister auf seinen heiligen Wiesen willkommen heißen zu dürfen. Alben wie „School`s Out“, „Billion Dollar Babies“ und „Welcome To My Nightmare“ sind jedem Rockfan ein Begriff, stehen für unvergessliche Hymnen und zahlreiche Provokationen. Und auch im Jahr 2010 präsentierte sich der charismatische Horror Rocker in humorvoller, gruseliger und äußerst beeindruckender Weise. Sei es mit Guillotine, Zombieballett, Zwangsjacke, Galgen, literweise Kunstblut oder elektrischem Stuhl, hier wurde wirklich groß aufgefahren, und die Fans nahmen es besonders dankbar an.

Songs wie „School`s Out“, „Guilty“, „I`m Eighteen“ oder der Klassiker schlechthin „Poison“ bedurften keiner weiteren Statements, denn hier wurde wahrhafte Rockgeschichte zelebriert. Und auch „Vengeance Is Mine“, „Feed My Frankenstein“ und „Dirty Diamonds“ brachten die Festivalbesucher so richtig in Wallung, bevor „School`s Out“ ein zweites und abschließendes Mal über die Meute fegte. Die gelungene Mixtur aus legendären Songs, verrückten Outfits, einer ausgesprochen unterhaltsamen Choreographie und einer fantastischen Kulisse war Entertainment pur. Die Stimmung phänomenal großartig, machte einfach nur richtig Spaß und sorgte für einen unvergesslichen Festivaleinstieg.

MÖTLEY CRÜE

Woo Hoo…eine würzige Prise L.A. live in Wacken. So oder so ähnlich schwingen die legendären Mötley Crüe die Instrumente. Very nice und auf jeden Fall sehr gespannt auf diese Performance waren nicht nur die anwesenden Pressepeople, auch die Festivalbesucher erschienen zahlreich zu diesem Spektakel. Will man einfach Mal gesehen haben, kennt man ja sonst nur vom Hören Sagen oder ausm Fernsehen, haha. Im warm-wohligen Sunshine standen die Amis im sehr norddeutschen Norddeutschland auf der True Metal Stage und keine Ahnung wieso, bei diesen Jungs schien das irgendwie etwas strange…dabei stehen da regelmäßig absolute Größen. Hmm….werden wohl dieser verrückt übertriebene und einfach ultracoole Look und die nie aufhörenden Skandalgeschichten gewesen sein, die das Ganze so unwirklich erscheinen ließen. Showtechnisch haben sich die Jungs jetzt auch nicht sonderlich abgeschuftet und von den stimmlichen Qualitäten eines Vince Neil muss man einfach überzeugt sein. Eigentlich wars schon ziemlich fett…ich mein: Hallo? Guck mal da oben steht Nikki Sixx!!! Daume hoch!

IRON MAIDEN

Iron Maiden werden ja wohl langsam zu echten Stammgästen auf dem Wacken Open Air. Wie bereits im Jahre 2008, ließen sich Bruce Dickinson, Steve Harris und Kollegen nicht lumpen, und lieferten einen wahrhaft königlichen Auftritt ab. Eröffnet wurde mit “The Wicker Man“ und „Ghost Of The Navigator“, was das Publikum mit Beifallsstürmen dankte. Und auch mit „Wrathchild“, „El Dorado“, „Dance Of Death“ und „The Reincarnation Of Benjamin Breeg“ konnten Iron Maiden so gut wie nichts falsch machen. Die unangefochtenen Meister der großen Live Shows begeisterten ihre Jünger wie eh und je, sorgten für obligatorische Massenbewegungen und hatten ihre Fans fest im Griff.

„These Colors Don’t Run“, „Blood Brothers“, „Wildest Dreams“, „Blood Brothers“ und „No More Lies” wurden ebenfalls mit Jubel, Trubel, Heiterkeit bestürmt, bevor “Brave New World” und “Fear Of The Dark“ den Endspurt einläuteten. Und natürlich durften „The Number Of The Best“, „Hallowed By Thy Name“ und „Running Free“ als Zugabeblock herhalten, was ehrlich gesagt für wenig überraschte Gesichter sorgte. Ja, auch Bruce Dickinsons immenses Laufpensum, die einwandfreie Bühnengestaltung und die alten Hits im Koffer lassen nicht jeden Anwesenden vor Erfurcht erblassen. Nun denn, Iron Maiden waren sicherlich eine Macht, wenn auch nicht unbedingt das diesjährige Highlight.

FREITAG

END OF GREEN

End Of Green! Die Stuttgarter Jungs um Frontmann Michelle Darkness waren auch mal wieder mit von der Partie. Und das Ende der grünen Hoffnung durfte mal wieder schön morgens um 11 Uhr die Wiese bespielen, was mir persönlich doch echte Probleme im Zeitmanagement bescherte, wie soll man das schließlich pünktlich schaffen? Der guten Stimmung tat das dennoch keinen Abbruch, und so gab es eine dicke Portion Düsternis zum Frühstück.

Depressionen, Einsamkeit, Schmerz und Tod, wer konnte da schon widerstehen. „Weakness“, „Dead City Lights“, „Killhoney“ und „Demons“ sprachen der gesamten Meute aus dem Herzen. Und auch mit „Highway 69“, „Hurter“, „Goodnight Insomnia“ und dem abschließenden „Nice Day To Die“ packten die Schwaben ihr Publikum und lieferten einen wirklich überzeugenden Auftritt ab, der trotz unangenehmer Uhrzeit überraschte und mitreißen konnte.

AMORPHIS

Für eine ziemliche Enttäuschung sorgte bereits im Vorfeld die Platzierung von Amorphis in der Running Order. Am Freitag kurz vor zwölf Uhr mittags geht absolut gar nicht und muss beim nächsten Mal dringendst geändert werden. Und trotzdem: die Fans fanden den Weg zur True Metal Stage, feierten die Meister eindrucksvolle 60 Minuten lang und das Highlight für den WOA Freitag schien danach schon erreicht. Positiv und emotional gaben die Finnen alles, Performance und Atmosphäre vom Feinsten, trotz Sonneneinstrahlung und der für Rockstars wirklich unangenehm frühen Stunde.

Eine Rundreise durch alle Etappen ihres Schaffens, 20 Jahre Musikgeschichte im Gepäck, gab ein sehr schön abgestimmtes Bild und nach wie vor muss man sagen, dass diese Band es einfach nur zu gut versteht, die Fans vollends zu begeistern und schlichtweg mitzureißen. Leicht unheimlich wirbelte zu Beginn der Show eine kleine Windhose zwischen dem Publikum umher, da hat sicher der Tomi mit seinem Lockenkopf die Finger im Spiel gehabt. Aufgeführt wurden unter anderem Titel wie „Silver Bride“, „Sky Is Mine“, „From The Heaven Of My Heart“, „Against Widows“ und „The Castaway“. Ich freue mich schon riesig auf die kommende Tour, die Termine stehen schon, wurden gecheckt und für äußerst ansprechend befunden. Das kann nur grandios werden, in der Markthalle in Hamburg!!

ORPHANED LAND

Die israelischen Orphaned Land sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Und so begab es sich zur Mittagszeit, dass ganze Heerscharen von Metalpilgern den Platz bevölkerten um die griechisch, syrisch, nordafrikanische, jüdische, äthiopische und arabisch gemischte Musik auf sich einwirken zu lassen und zu staunen. Die Band hatte definitiv die Sonne auf ihrer Seite, bestach durch Originalität und Konsequenz. Ein wahrhaft orientalischer Hauch wehte über den norddeutschen Äckern und hüllte alle Anwesenden in ein ganz besonderes Flair. Sänger Kobi Farhi zog alle Register und sogar sein typisch flatterhaftes `Jesus` Nachtgewand war irgendwie faszinierend, eigentlich fehlten nur noch ein paar weiße Tauben. Die Stimmung war jedenfalls gut, ausgelassen und das Publikum nahm die ungewöhnliche und sympathische Band in ihrer Mitte auf.

THE BOSSHOSS

Yee-Ha!! Wildweste Cowboy-Stimmung zum warmen Nachmittag hieß es um kurz vor 17 Uhr. Einen fast schon kometenhaften Aufschwung erlebten wohl die Jungs von The Bosshoss in den letzten Monaten. Ihr neues Album LOW VOLTAGE im Gepäck fetzten sie nur so durch ihre verfügbare Spielzeit. Das macht zwischendurch so richtig Laune, man muss einfach ein Ohr und Auge riskieren auch wenn es zuvor vielleicht gar nicht eingeplant war. Stehenbleiben und die Reise durch den Westen mitmachen, was anderes scheint nicht möglich. Dennoch ist eigentlich das Meiste in brennender Sonne erlebte am Ende nur noch nervtötend, aber das ist wohl ein persönliches Problem und viele viele andere Zuschauer juckt das einfach mal null!

KAMELOT

Die amerikanischen Melodic Power Metaller von Kamelot haben mittlerweile einen immensen Bekanntheitstatus erreicht und gehören zu den gern gesehen Gästen auf dem Wacken Festival. Mit ganz viel Pomp und Pathos ging es auch in diesem Jahr zu Werke, sämtliche Pyro- und Feuerwerkseffekte kamen umgehend zum Einsatz und ließen „The Great Pandemonium“, „The Haunting (Somewhere In Time)“, „Center Of The Universe“ und „March Of Mephisto“ in gleißendem Licht erstrahlen. Der orchestral progressive Einschlag verfehlte seine Wirkung nicht und sorgte für einiges staunen. Roy Khan, Thomas Youngblood, Sean Tibbetts, Oliver Palotai und Casey Grillo liefen immer wieder zur Bestform auf, konnten sich konsequent durchsetzen und festigten ihren Stand aufs Neue. Der einzig stete Wehmutstropfen war leider auch diesmal die wahnsinnig überlaste Effektorgie, die der Musik jedes Mal die Schau zu stehlen droht. Muss man wohl irgendwie einfach ausblenden, oder eben akzeptieren, ist ja mittlerweile so was wie Kamelots Markenzeichen geworden. Hin oder her, den Festivalbesuchern hat es gefallen.

ARCH ENEMY

Also diese Frau is ja sowas von cool, unglaublich! Röhrt sich halb kaputt, vermittelt die grauseligste Boshaftigkeit in ihren Vocals und dann im Interview zuckersüß und lieblich. Hallo? Wie geht das?? Immer wieder einen riesen Respekt vor der guten Angela und natürlich ihren Jungs, die es einfach draufhaben, monströs aggressiven Charme über die Audience zu versprühen. Jesus Christ, echt beängstigend. Was vor einigen Jahren noch eher befremdlich und für manche sicher auch lächerlich daherkam hat im Jahr 2010 seinen festen Platz in der Metalszene gefunden.

SLAYER

Ganz frei nach dem Motto: Los jetzt! Sofort mitbrüllen! „Slaaaayer“!!! Diese Sprache versteht jeder Metalhead, weltweit! Und das Wacken Open Air spricht eben nur diese eine, ganz besondere und universelle Sprache. Was gibt es also besseres, als einen Abend mit Kerry King, Tom Araya, Jeff Hannemann und Dave Lombardo zu genießen? Nun denn, die Herren standen pünktlich im Scheinwerferlicht und gingen mit „World Painted Blood“ gleich mächtig ran an den Speck. „Hate Worldwide“, „War Ensemble“, „Expendable Youth“ und „Dead Skin Mask“ machten da keine Ausnahme und brachten die Wackenwiese erfolgreich zum beben. Und auch an „Seasons In The Abyss“, „Hell Awaits“, „Raining Blood“ und „Angel Of Death“ gab es überhaupt nichts auszusetzen, sogar der Sound war spitzenmäßig, wenn auch wahnsinnig laut.

Es gab wirklich nicht die geringste Kleinigkeit zu meckern. Slayer sind und bleiben eine Macht, eine unumstößliche Institution, die weiterhin eindrucksvoll und ungehemmt ihren unvergleichlich charismatischen Charme versprühte. Ja, die einzig wahren und unerreichten Thrashgötter konnten auch mit Altersbeschwerden und heftig `Rücken` ein wahrhaftes Highlight abliefern. Eben eine der einflussreichsten Metalbands des Planeten. Hut ab!

SAMSTAG

EKTOMORF

Die ungarische `haudrauf` Kombo Ektomorf gab den Startschuss am frühen Samstagmorgen. Mit ihrer Mischung aus Thrash Metal und Hardcore holten sie auch noch den letzen Langschläfer aus seinem Zelt und versammelten eine ordentliche Meute vor der Black Stage. Zoltan Farkas und seine Jungs ließen jedenfalls keine Ausreden zu und hämmerten ein wahres Brett über den Platz.

Mit „Rat War“, „Gypsy“ und „Who Can I Trust“ brachten sie die Fans zum ausflippen, stagediven und mächtig bösem Rumgeschubse. Und auch „Fuck You All“, „I Choke“ und „Show Me You Fist“ ließen keine Zeit zum durchatmen. Ektomorf lieferten eine überraschend gute Show, animierten fantastisch zum mitmachen und machten sich garantiert jede Menge neuer Freunde. Jump!

CALIBAN

Kannibalen zum Mittag! Der Samstag zeigte sich generell etwas aggressiver in der Anfangsphase, aber den Leuten schien das sichtlich Freude zu bereiten. Am offiziell letzten WOA-Tag nochmal so richtig Gas geben und die Haare fliegen lassen konnten die meisten Fans kaum auslassen. Auch in Punkto Lautstärke waren Caliban äußerst brutal unterwegs, ein wenig weniger wäre auch nicht schlimm gewesen, aber nun denn. Im Alter hält man anscheinend immer weniger aus oder man hatte einfach schon den ein oder anderen Hörsturz nach den fiesesten Fieslingskonzerten aus der Sparte Thrash/Death! Gegeben hat die Combo an diesem Samstag zumindest eine Menge, großartige Kritik kann ich gar nicht verteilen. In Ausführung und Präzision sind die Jungs eine gute 2, mal mehr mal weniger. Eine wie ich finde super Festivalband, da sie enorm viel Dampf haben, der auch bis in die hintersten Reihen ausstrahlen kann und die Erwartungen werden einfach immer brav erfüllt.

WASP

Die 80er Jahre Ikonen WASP wurden mit besonders großer Spannung erwartet. Fronter Blackie Lawless ist schließlich ein waschechter Rocker, der in der Vergangenheit mit so manch feiner Attitüde auf sich aufmerksam machte. Und nicht nur das, die Musik der Herren war immer grandios, fantastisch und absolut live tauglich. Und tatsächlich! WASP standen pünktlich auf der True Metal Stage, bewiesen Mut zum ausgefallenen Outfit und lieferten einen Hit nach dem Nächsten. „On Your Knees / The Real Me“, „L.O.V.E. Machine“, “Babylon’s Burning” und “Wild Child” zogen die Masse förmlich in seinen Bann und begeisterten auf ganzer Linie. Ganz besonders „The Idol“ und „I Wanna Be Somebody“ verursachten wahre Begeisterungstürme und hatten absolute Gänsehautgarantie. WASP waren vermutlich das diesjährige Highlight! Wer hätte das gedacht. Mister Lawless hat allen gezeigt wie man es richtig macht! Ganz großes Rockkino!

STRATOVARIUS

Nanu, unsere finnischen Lieblingsbarden wurden auf die Party Stage verbannt? Schande über eure Häupter, die Jungs begeistern schließlich schon seit Jahren die Metalfans dieser Erde, mit oder ohne Timo Tolkki! Timo Kotipelto, Lauri Porra, Jens Johansson, Jörg Michael und Matias Kupiainen zeigten sich trotzdem in absoluter Bestform, gingen gleich mit dem Megahit „Hunting High And Low“ in die Vollen und ernteten frenetischen Beifall. Ein perfekter Start war also hingelegt, der mit „Speed Of Light“ und „The Kiss Of Judas“ enthusiastisch weitergeführt wurde.

Der massig gefüllte Platz vor der Party Stage erstrahlte nur so vor freudestrahlenden Gesichtern und gut aufgelegten Zeitgenossen. „Paradise“ und „Black Diamond“ machten den Auftritt gänzlich perfekt und sorgten für ein gelungenes Ausklingen. Stratovarius gehören immer noch zu den ganz Großen, zeigten sich unbeschwert, sorgten wie keine andere Band für ein absolut aufrichtiges Gemeinschaftsgefühl und hatten den Spaßfaktor voll auf ihrer Seite. Respekt!

EDGUY

Erst Strato dann Edguy, eigentlich auch nicht so optimal angesetzt. Powermetal Fans wird es sicher gefreut haben, einfach nur kurz die Position zu wechseln und gleich schön weiter beschallt zu werden aber besser wäre sicher gewesen, beide Bands den nötigen Abstand zueinander zu gewähren. Aber eh zu spät jetzt, also egal. Der verrückte Sammet ein brillanter Performer, nicht mehr so zu belächeln wie früher, nein, er macht es wirklich großartig, die Musik und die Freude daran zu einem einheitlichen Gefüge zu verknüpfen. Als Zuschauer hat man einfach Spaß, kann sich entspannen und trotzdem zwischendurch kurz denken, wie bekloppt dieser Typ doch eigentlich ist. „Dead Or Rock“ der Einsteiger und in jeder Hinsicht passend. Weiter hören wir Titel wie „Speedhoven“, „Tears Of A Mandrake“, „King Of Fools“ oder „Lavatory Love Machine“. Wir sehen, die Typen sind total irre, aber auch irre überzeugend und spaßig. Ich mag dieses `sich selbst nicht zu ernst nehmen` also Daumen hoch für die Guys.

IMMORTAL

Endlich Blackmetal, bin schon ganz geschwächt von dem ganzen anderen Zeug. „We are Immortal, the Band that should not be!“ Oh man, dieser Spinner, hat gleich die Lacher auf seiner Seite. Ein, zwei elegante Hüpfer rückwärts und los geht das Geklampfe, einfach herrlich. Passende Finsternis und die perfekte Atmosphäre dank Lightshow und musikalischer Düsternis. Frontchef Abbath hat dieses schön ordentlich bepinselte Gesicht, dass man fast neidisch werden könnte und beim Kollegen Apollyon frag ich mich des Öfteren: grinst der jetzt oder was macht der da??

Herrlich, total genial und wahnsinnig schnell vorbei wars. Hätten gerne noch ne Stunde dranhängen können, ehrlich ma. Pyros und der wohl optimale Sound gaben einen passenden Rahmen zu Kompositionen wie „The Rise Of Darkness“, „All Shall Fall“, „Damned In Black“, „One By One“, „Sons Of Northern Darkness“ oder aber „Withstand The Fall Of Time“. Das eindeutige Highlight am Samstag! Will ich nächstes Jahr einfach wieder hier haben, also buchen bitte!

CANDLEMASS

Candlemass sollten am späten Samstagabend für bleischwere Doom Unterhaltung sorgen. Die Mannen um Gründungsmitglied Leif Edling durfte man sich einfach nicht entgehen lassen, also ging es wieder mal ab zur Party Stage. „Marche Funebre“ und „Mirror Mirror“ leiteten das Spektakel ein und sorgten umgehend für ultradüsteres Flair. Die Band zeigte sich von ihrer besten Seite und verbreitete eine Art erhabener Stimmung, die irgendwie süchtig machte und sicherlich mächtig Eindruck schinden konnte. „Dark Are The Veils Of Death“, „Samarithan“, „If I Ever Die“ und „Hammer Of Doom“ fegten geradezu von der Bühne und bezauberten alle Anwesenden. „Emperor Of The Void“, „At The Gallows End“ und „The Bleeding Baroness“ konnten ebenso mitreißen und machten das epische “Solitude” zu einem echten Erlebnis. Candlemass waren wirklich unverschämt gut, erschufen eine unglaubliche Atmosphäre, lösten wahre Begeisterung aus und machten nachhaltig zufrieden.

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Black Label Society „Order Of The Black“

blacklabelsociety2010_coDa ist keine weitere Erklärung mehr von Nöten! Bereits der erste Ton ist überzeugender Black Label Society-Stoff, Zakk Wylde in Bestform und wieder im Scheinwerferlicht angekommen. Nach vielen unterschiedlichen Erlebnissen und Verboten, unter anderem darf nun auch der wilde Zakk besser keinen Alkohol mehr zu sich nehmen, geht er mit seinem Solowerk in die nächste Runde.

„Order Of The Black“ ist dem Gitarrenmeister sofort zuzuordnen, kompositorisch meisterhaft arrangiert, gefühlvoll und ebenso robust wie energisch tritt er von innen gegen unsere Musikanlagen. Eröffnet wird mit „Crazy Horse“ übergehend zu „Overload“ und „Parade Of The Dead“, allesamt im gewohnten Black Label Stil, rauchig und verrucht kratzt Mister Wylde an Gitarre und Stimmbändern. Alles wie immer selbstgemacht und absolut überzeugend.

Der 43-jährige mag wüst aussehen, trägt das musikalische Herz aber am richtigen Fleck. Wie schon auf Vorgängeralben wie beispielsweise dem 2006er Werk „Shot To Hell“ geben sich zwischendrin auch wieder ruhige Nummern mit und ohne Akustik-Einschlag die Ehre. Ich finde es einfach nur beeindruckend wie er es immer wieder schafft, zwischen druckvollen teils fast schon aggressiven Nummern die wohl schönstmöglichen filigranen Töne zu platzieren, ohne dass man denken würde „Hä? Sag mal spinnt der jetzt? Geht ja gar nicht!“.

„Darkest Days“ ist einer dieser Momente in denen man einfach nur still lauschen möchte, was sich der legendäre Zakk Wylde denn da wieder feines zusammenkomponiert hat. Gigantische Songschreiber-Qualitäten wie einst Elton John, z. B. in seinen „Goodbye Yellow Brick Road“-Zeiten sind hier Anno 2010 auf kleine runde Scheiben gepresst worden und bitte möglichst vielfach um den Globus zu bringen.

Danke, das war wieder einmal ein schöner Abend! ps: vielleicht covert mal jemand „Funeral For A Friend“ von Elton John, das wäre gut gemacht sicher ein Erlebnis…obwohl das Original ist ja schon so überirdisch genial, was soll da noch folgen bitte?!

8,5/10

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Jesus On Extasy „No Gods“

No Gods?? Treffender kann man in die Besprechung der so betitelten, neuen Jesus On Extasy Platte kaum einsteigen als mit dieser Frage. Zumindest war mir schon nach den ersten Sequenzen des Openers „Revenge“ die ganze Sache irgendwie unangenehm.Was sich den Zuhörern dort an Gesangeskunst präsentiert ist echt ein wenig dünn geraten.

Die eher leichten Vocals geben sich aber im Laufe der weiteren Songs einer deutlichen Besserung hin, auch wenn es mich auch danach nicht vollends überzeugt. Zweiter Schlag und gleichzeitig Titeltrack „No Gods“ geht schon besser durch, die anfängliche Pianoklimperei ist aber eindeutig von so finnischen Oldie-Goth-Rockern abgeschaut wenn man mich fragt. Anstrengend finde ich auch immer diese fast schon aufgezwungen daher kommenden “orientalischen“ Einschläge, hier komplett fehl am Platz, bringt gar nix.

Auch wieder typisch und irgendwie unnötig geht’s nach dem Orient ab zum politisch aufgeladenen Song, mit Momenten wie “raise my fist“, “hear my voice“, “start a riot“ , “we can make this place a better world“ und so drin. Hmm… Merkwürdig, dass sich diese Sparte Industrial-Goth-Rock immer noch aufrecht halten kann, wo es doch mittlerweile ein enormes Angebot an verschiedensten Mutationen dieses Genres gibt. Jesus On Extasy sind ja auch keine Newcomer mehr, die letzten Alben allesamt erfolgreich unterwegs und an Fans mangelt es auch nicht.

Freuen kann man sich auf jeden Fall für die bunt gemischte Truppe, die ihre Inspiration sowohl aus etlichen Klassikern als auch aus futuristischen Sphären ziehen mag. Mir persönlich ist das jedoch nicht genug, eine hochwertigere Verarbeitung der einzelnen Komponenten sowie etwas mehr Eigenständigkeit und vor allem Kreativität fände ich ziemlich super. Dafür hat man im Bereich Gothic einfach schon zu viel Mittelmäßiges und leider auch sehr sehr Gutes geboten bekommen und vielleicht habe ich auch einfach schon zu lange den richtig glühenden Draht zu dieser Abteilung verloren…….

6,5/10

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Wicked Sensation „Crystallized“

Wicked Sensation lassen mit „Crystallized“ das Hard Rock Feeling wieder aufblühen und sorgen für so manch außerordentlich groovenden Ohrwurm. Mit ihrem höchstgelobten Debüt Album „Reflected“, trat die Band im Jahr 2001 erstmals ins Scheinwerferlicht der internationalen Hardrock Szene und bietet nun wieder volle und mächtige Hits, die auch den Vergleich mit Größen wie Whitesnake nicht zu scheuen brauchen.

„Crystallized“ zeichnet sich durch typische Hard Rock Trademarks aus und schließt nahtlos Wicked Sensations erste Erfolge an. Gekennzeichnet durch eine starke Produktion von Dennis ward (Pink Cream 69) finden sich hier von der eingängigen, melodiösen und treibenden Melodic Nummer bis hin zu rauchigen Blueseinlagen alles, was großartigen und modernen Rock Sound ausmachen sollte.

„My Turn To Fly“ erweist sich als ganz besonderes Sahnestück, bei dem kein geringerer als Helloween Sänger Andy Deris als Gastsänger verpflichtet werden konnte. Aber auch alle anderen Songs haben durchaus hitpotential, bestechen durch kraftvolle und eigenständige Arrangements, die sich wie durch Zauberhand ins Gehör einschmeicheln. „Crystallized“ wirkt wie eine Verjüngungskur und steckt voll liebevoller Details. Hier haben Wicked Sensation wirklich einen Volltreffer gelandet!

8,5/10

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Breed77 „Insects“

breed77_coverSommer, Sonne, Sonnenschein. Wie passend, kann man sich dazu gleich ein wenig Latino-Metal in die Musikanlage werfen. Nach drei Jahren Pause stehen BREED77 wieder einmal vor der Tür und drängen nur darauf, ihr neuestes Werk vorzustellen. Das vierte Album „Insects“ weist, wie auch schon die Vorgängerplatten, typisch spanisch orientalische Wurzeln auf.

Die Metalvariationen starten mit dem druckvollen Einsteiger „Wake Up“, gehen dann mit „The Battle Of Hatin“ tiefer in Richtung Orient (mir an manchen Passagen doch zu Muezzin mäßig), optimieren sich dann aber ganz schnell bei „Revolution On My Mind“ und dem sehr gelungenen Titeltrack „Insects“. Weitere Hinhörer sind „New Disease“ (einer meiner Favoriten) oder aber „Guerra Del Sol“. Musikalisch gehen hier die verschiedensten Einflüsse Hand in Hand – angefangen von spanischem Trommelsound hin zu typischen Orientstilistiken und zwischendrin immer wieder starkes Riffing, aufjaulende Gitarren und tiefgrummelndes, erdiges Metaltreiben.

Alles ziemlich gut dosiert und abwechslungsreich aufgebaut, ein wichtiger Faktor in dieser Sparte, sonst kann es äußerst schnell nervtötend werden. Stimmliche Qualitäten bringt Fronter Paul Isola eindeutig mit und das mehr als überzeugend. Als Dessert legt uns der Fünfer noch das Cranberries-Cover „Zombie“ auf die Ohren. Ist ganz gut geraten, allerdings mochte ich diesen Song früher schon nicht, also werde ich das Anno 2010 wohl auch nicht mehr ändern. Harter und druckvoller Metal der eher exotisch eigenwilligen Art, anspruchsvoll und unterstützenswert wird hier serviert.

7/10

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Vince Neil „Tattoos & Tequila“

vinceneil_coverTada, Mötley Crüe Frontmann Vince Neil bringt eine Hard Rock-Coverscheibe in unsere Wohnzimmer. Als eine der Legenden auf diesem Gebiet kann da ja nur Gutes bei rumkommen. „Tattoos & Tequila“ rockt gleich mit dem gleichnamigen eigenen Song los, eine Nummer weiter erwartet uns „He´s A Whore“ gefolgt von „Ac/Dc“. Erster Eindruck: richtig schön Oldschool-Style, ganz wie erhofft gewohnt markant interpretiert ohne dabei zu Mötley Crüe-mäßig zu wirken.

Seine Stimme muss man natürlich schon mögen, keine Frage. Da kann es für einige Herrschaften sicher eng werden mit der Zuhör-Ausdauer. Im Mittelfeld fällt der zweite neue Song „Another Bad Day“ auf, fast schon märchenhaft schnulz-schön und hauchzart romantisch. Als kleines Zwischenspiel sehr angenehm, obwohl sich bei manchen Kollegen sicher die Nackenhaare aufstellen werden, vor Rührung, ha ha… Muss ja nicht immer alles BLACK und EVIL sein!

„Long Cool Woman“ grooved durch die Runde und macht Lust auf nen Roadtrip quer durchs Land, rasant gefolgt vom Scorpions-Cover „Another Piece Of Meat“, „Who Will Stop The Rain“ und Elvis´ „Viva Las Vegas“. Richtig Spaß macht „Bitch Is Back“ und das Schlusslicht „Beer Drinkers And Hell Raisers“ (ZZ-Top), das obwohl schnell wieder vorbei noch mal für richtig Wirbel sorgt. Im Rückblick eine ordentliche Geschichte, kann man immer mal wieder in den Spieler werfen, macht Lust und Laune und hinterlässt deutliche Zeitreise-Spuren.

8/10

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