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Momentan erneut in den Staaten unterwegs, zur passenden Halloween Tour mit Lordi, hatte der Metalminder bereits vor einigen Wochen das Vergnügen und die Ehre, mit Josh Silver über ganz einfach gestrickte Jungs aus Brooklyn, New York, zu plaudern, Eigenkritik und Waffenbesitz inklusive. 
Wie kaum eine andere Band, verfügen Type O Negative seit ihren ersten Erfolgen mit BLOODY KISSES über erstaunlich hartnäckige Individualität und heben sich auch nach all den Jahren immens von allem anderen spür- und hörbar ab. Keiner weiteren Band wird es wohl je gelingen können, diese Einzigartigkeit derart intensiv und grandios umzusetzen. Die Fangemeinde allseits bereit und kompromisslos ergeben, konnte die letzten Jahre gebannt wartend verbringen, und mit „Dead Again“ kamen die Doom Titanen ein weiteres Mal gestärkt und ausdrücklich zurück. Nach einer kleinen Tourbegleitung quer durch Europa und etlichen Gesprächen & Erlebnissen mit Band und Crew, gelang es uns bereits im Sommer, einen hautnahen Einblick in das Leben der TON zu erhalten. Folgendes Interview entstand auf dem Wacken Open Air und zeigt einen emotionalen, charmanten und sehr entspannten Josh Silver, der noch stundenlang hätte weiterreden können und es sich gen Ende nicht verkneifen konnte, herzlich zu lachen und seinen Mädels das Mikrofon zu entreißen, um den Spieß endlich einmal umzudrehen. Einfach herrlich… Doch lest und genießt es einfach selbst! Type O Negative, jetzt und hier „again“, auf dem Höhepunkt des goldenen Oktobers! 
METALMINDER: Lass uns ein bisschen über das neue Album „Dead Again“ sprechen! Wie fühlst du dich damit? Gab es irgendwelche Fehler auf LIFE IS KILLING ME, die ihr auf keinen Fall wiederholen wolltet? Josh: Mit „Dead Again“ ist alles okay, würde ich sagen! Ich denke, LIFE IS KILLING ME hat im Gegensatz zu den anderen Alben von TON keine eigene Identität. BLOODY KISSES, OCTOBER RUST oder WORLD COMING DOWN, die haben alle ihre Persönlichkeiten und das fehlt mir auf LIFE IS KILLING ME. Aber ich denke, dass wir es auf „Dead Again“ wieder gefunden haben, dem Album eine Identität zu verleihen. METALMINDER: Wie sehr kritisiert ihr euch untereinander, wenn es um neues Material geht? Josh: Viel mehr als ihr wissen wollt! Ehrlich! (lacht) Ich bin sehr sehr kritisch gegenüber dem was wir tun! Viele Leute wären sicher besser dran, wenn ich meine Schnauze halten würde, aber das werde ich nicht. Niemals!! METALMINDER: Jede Band hat ihre eigene Bedeutung, steht für etwas! Was würdest du sagen, wofür stehen Type O Negative, ganz kurz? Josh: Für Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit! Das ist uns textlich wie musikalisch enorm wichtig, das wir bloß ganz einfach gestrickte Typen sind, Menschen wie du und ich! METALMINDER: Wenn du etwas in der Welt verändern könntest, was wäre das? Josh: Puh… Dieser momentane Augenblick in meinem Leben lässt mich sehr mit mir selbst und meinem Ego befassen, also würde ich erst einmal bei mir anfangen, bevor ich loslaufe um die Welt zu verändern. Jeder will den Weltfrieden, klar, und jeder möchte das Ende all dieser Kriege überall, aber ich habe keine hochgestochenen, aberwitzigen Vorstellungen, was das betrifft. Jeder muss erstmal mit sich selbst ins Reine kommen, bevor das Gesamte dran ist.
Ich kann in dieser Welt leben, ich kann kleine Dinge verbessern. Meine Familie, meine Kinder, mein Leben! Das ist es! Und wenn jeder seine kleine Ecke versorgt und verbessert, ist das schon wieder eine große Sache. Die Realität ist einfach, das ich nicht mehr diesen extremen Tatendrang habe, wie damals, als ich siebzehn war. METALMINDER: Wie viel Improvisation gibt es bei euch noch im Studio, während der Aufnahmen quasi? Josh: Wahrscheinlich jede Menge. Mit der Band und auch während der Produktion ist da immer noch so einiges zu machen. Da habe ich schon eine Menge zu sagen, das Meiste will dann selbst Peter gar nicht hören, aber da gibt es immer ziemlich viel zu ändern. Die Texte zum Beispiel, oft bin ich da einfach der Meinung, das die Texte noch besser sein könnten, aber wenn Peter dann sagt, er gibt sein Bestes, ist das oft schwierig. Als Produzent hast du immer viel zu kritisieren, du musst die höchstmögliche Arbeit aus allen Beteiligten herausholen. Keiner will hören, das er es nicht drauf hat, verstehst du? Da ist das eine echt schwierige Position für mich. METALMINDER: Was glaubst du, woher kommt diese enorme Anziehungskraft von Type O Negative, die auch aktuell wieder zum Tragen kommt? Josh:
Ist die wirklich immer noch da? Ehrlich? Muss wohl was mit Playgirl und großen Genitalien zu tun haben! Anders lässt sich das wohl kaum erklären. (lacht) Ich denke, TON haben immer viele ehrliche Gefühle vermittelt. Wir haben stets gerade herausgesagt, was wir fühlten und wie die Welt läuft. Dieses aufrichtige sorgt sicher für Zuspruch und die Leute erkennen sich selbst in uns wieder. Das sind weltweite, übergreifende Themen. Viele identifizieren sich mit diesen Problematiken und schmerzlichen Erfahrungen, die das Leben mit sich bringt. Und wir sagen es einfach gerade heraus. Da kommt es nicht darauf an, wer oder wo du in dieser Welt bist. Das Leben besteht aus Hochs und Tiefs! Wir stehen nicht für das klassische Rockstar Leben, wo alles Cool & Glitzer ist, das ist doch Schwachsinn. Wir haben alle dieselben Probleme und das wir dies als Rockband verkörpern ist doch ziemlich ungewöhnlich. Wenn du merkst, das wir mit dir sind, Gemeinsamkeiten haben, und zeigen, das wir nicht besser sind als du, das ist doch perfekt, oder? Klar, wir haben auch Ärger mit unseren Kindern! Aber Kinder haben sowieso die Aufgabe, Probleme zu bereiten, da geht es mir auch nicht anders. Ich habe gerade eine 6 jährige Tochter, die glaubt, sie sei 17! Es ist echt hart, das alles hier zu tun, wenn man Vater ist. Das ist jedes Mal wieder schwierig für sie, wenn ich gehen muss… Du siehst, alles stinknormal! METALMINDER: Auf welchen Song bist du bei TON am meisten stolz? 
Josh: Wow, das ist schwer! Da gibt es eigentlich keinen speziellen Song. Ich habe einige Favoriten und auch einige Songs, die ich ziemlich scheiße finde, das ist ja kein Geheimnis! (lacht) Zu meinen Favoriten zählen zum Beispiel „Unsuccessfully Coping With The Natural Beauty Of Infidelity“, da geht es um Betrug, eine Geschichte, die uns alle betrifft. „Red Water (Christmas Mourning)“ ist auf jeden Fall auch dabei! Da war damals der Verlust von Peters Vater, und auch ich habe meinen Vater verloren, das berührt einen einfach direkt. Das sind dann wieder diese alltäglichen Themen. Ich bin jetzt 44, die Leute sterben allmählich, das ist hart, aber es gehört dazu. Das geht einfach direkt unter die Haut, weil es die Realität ist. Das ist es wohl auch, was die Leute nach wie vor anzieht. Wir sind keine Rockstars, sondern nur ein Haufen Idioten, die denselben Mist durchleben wie jeder andere auch. METALMINDER:
Was ist typisch deutsch, was denkst du? Josh: Schwierige Frage, ich bin Jude, von daher…. (lacht) Nein, ernsthaft, echt schwer. Die Deutschen sind wohl heutzutage immer noch mit ihrer Teilung beschäftigt. Seitdem die Mauer gefallen ist, geht es doch hauptsächlich um diese Ost / West Diskussion. Die einen sind angepisst, weil sie keine Arbeit haben und die anderen, weil sie alles mitfinanzieren müssen etc pp… Ich denke nicht, das es eine ganz bestimmte Sache gibt, die typisch deutsch ist. Aber diese Ost / West Geschichte wird sicher 25 – 30 Jahre dauern, bis sich da was eingependelt hat…. (lacht) METALMINDER:
Wenn du an die Anfänge zurückdenkst, als euch prophezeit wurde, das „Next Big Thing“ zu werden, glaubst du, es ist genauso gekommen und was denkst du heute darüber? Josh: Das habe ich damals nie gedacht. Nach unserem ersten kommerziellen Erfolg von BLOODY KISSES hatte ich damals gar keine weiteren Erwartungen. Wir haben einfach etwas Eigenes, Originelles gemacht, ohne das wir uns als Beatles oder Black Sabbath fühlten, und ich denke, das war damals genau die richtige Einstellung. Aber wir haben unseren Einfluss in die Musik- welt abgegeben und das ist eine gute Sache. Das kann ich auch heute noch hier und da heraushören und wieder finden, das wir eine Menge junger Bands inspiriert haben und das finde ich super! Ich sehe das als Kompliment, wenn andere Musiker sich Dinge von dir annehmen und darauf aufbauen. Ein größeres Kompliment kann es eigentlich gar nicht geben.
Ich selbst bin stark von den Beatles und Black Sabbath geprägt, also hat somit jeder irgendwelche Wurzeln. Das sind für mich die besten Bands überhaupt, die haben die Musik damals einfach verändert. METALMINDER: Was glaubst du, welche Punkte einer Karriere könntet ihr mit Type O Negative noch immer erreichen? Josh: Ich denke, die Musik ist derzeit an einem absoluten Tiefpunkt. Sie ist unselbstständig und kopiert. Alles ist von woanders, es gibt nichts Eigenes mehr. Ich sehe Type O Negative in der Zukunft nicht wirklich größer werden… METALMINDER: Wie sieht es mit der derzeitigen Motivation bei TON aus? Wann geht´s zu Ende, was meinst du? Josh:
Nun ja, ich habe ein wenig Bedenken. Mir selbst geht es gut, ich fühle mich super. Ich habe natürlich gewisse Erwartungen vom Leben, aber mit der Band….. Schwer zu sagen! Wann es zu Ende geht kann keiner wissen. Es könnte morgen sein, oder in zwei Jahren. Ich bin auch nicht der Einzige in dieser Band, bloß ein Teil davon, also ist es eigentlich ziemlich egal, was ich will. Es ist nur wichtig zu sehen, das man verstehen muss, das Kontrolle bloß eine Illusion ist. Man kann nichts kontrollieren. Ich kontrolliere nicht, was abgeht, sondern gebe meinen Teil bei, verstehst du? Und die Spanne zwischen Kontrolle und seinen Teil zu etwas beitragen ist riesengroß. Also echt schwer zu sagen… METALMINDER: Gibt es einen bestimmten Song, den du gerne einmal mit TON covern würdest? 
Josh: Ja, nun. Das mit den Coversongs ist bei TON immer so eine Sache. Als wir z. B. „Day Tripper“ gemacht haben, wollte ich das erst gar nicht, weil ich die Beatles wirklich sehr liebe und wir konnten diesen Song eigentlich nur verschandeln, aber dann ist es doch ziemlich gut gelungen und wir sind alle sehr glücklich damit. Coversongs sind immer wie Schüsse im Dunkeln, du weißt niemals, was dabei herauskommen wird. Echt strange! Also einfach mal sehen was das so kommt… METALMINDER: Was hält eine Band am Leben? Josh:
Verzweiflung!! (lacht) Verzweiflung und Wünsche! Hmm, ich bin nicht ganz sicher, gute Frage. Fans, denke ich. Denn was eine Band denkt oder tut, ist ohnehin total unwichtig, solange die Fans dich nicht wollen. Wenn sie dich nicht annehmen, brauchst du einen anderen Job, basta. Klar, ich kann ins Studio gehen und ein wenig Zeug für mich selbst klimpern, aber was bringt das?! Fans und der Wunsch etwas zu erschaffen, das ist wohl die Antwort! Eine wirklich große Antwort! METALMINDER: Mal ehrlich, wie oft hörst du deine eigene Musik? 
Josh: Niemals!!! (lacht) Ich nehme ein Album einmal auf und dann höre ich es nicht mehr! Während den Aufnahmen hört und macht man Sachen tausendfach, wieder und wieder. Wenn dann ein Album fertig ist, will ich es nie wieder hören. Ganz selten kann es vorkommen, dass ich einen einzelnen Song anmache, aber das ist höchstens einmal im Jahr oder so… Das ist Geschichte, schau immer in die Zukunft! Das ist vielleicht auch die Spezialität von Type O Negative! Nach dem kommerziellen Erfolg von BLOODY KISSES waren wir zwar glücklich, haben aber nie versucht, diese Sache zu wiederholen oder gar zu kopieren. Dann kam OCTOBER RUST, WORLD COMING DOWN, wir haben es verändert, es ging immer weiter. Viele Bands machen immer wieder dasselbe, nachdem sie mit einer Sache Erfolg hatten. Das ist langweilig und blöd. Neues ausprobieren, verrückte Dinge tun, darum geht es doch! METALMINDER: Magst du es lieber, im Hintergrund zu agieren, oder gefällt es dir vielleicht auch, im „Rampenlicht“ zu stehen, beispielsweise wenn du Interviews gibst? Josh: Interviews sehe ich jetzt nicht direkt als Rampenlicht an. Während dieser Tour und den letzten Monaten habe ich oft Interviews gegeben und das macht mir schon ziemlich Spaß. Ich gebe einfach bei allem was ich tue 120 %! Wenn ich im Hintergrund bin, gebe ich mein bestes oder aber jetzt und hier! METALMINDER:
Zum Schluss noch die Frage: Was würdest du tun, wenn du wüsstest, das morgen der letzte Tag auf dieser Welt wäre, wenn dieser ganze Planet morgen einfach explodieren würde? Josh: Hmm, also wenn die ganze Welt morgen explodiert, ja?! Ich möchte bei meiner Familie sein und versuchen, es zu ändern. Es ist niemals zu spät, die Dinge zu ändern! Ich würde also mit meiner Waffe draußen stehen und versuchen, den Weltuntergang aufzuhalten. Ich meine, ich bin Amerikaner, ich brauche meine Waffe und ich muss es ändern! (lacht) METALMINDER: Du hast eine Waffe? Josh: Na klar, ich bin ein Ami! Ihr hier macht die besten Waffen in der Welt, wisst ihr das? Hat man euch das nicht gesagt? Die beste Waffe der Welt kommt aus Deutschland, also nichts über die Amis, ja? (lacht)
Ahh…. Das war es also, der Meister hinter den Keyboards von Type O Negative hat gesprochen! Inspiriert und beeindruckt hoffen wir wirklich inständig auf eine weitere, erfolgreiche und kreative Zukunft von und mit Type O Negative, denn diesen Felsen in der Musikgeschichte zu verlieren, wäre ohne Zweifel katastrophal! Vielen Dank! MW |